Bald ziehen die ersten Familien ins Familienhaus des Albert-Schweitzer-Kinderdorf e.V. Fotos: Boris Trenkel

Anne Beyer
Anne Beyer Ein familienhaus entsteht Eltern Wissenschaft Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag Spandau
Mittwoch, 15. November 2017
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Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V. eröffnet das „Familienhaus“

Ein Ort für die Betreuung von Familien und Alleinerziehenden mit Kindern

Am 22. September 2017 hat in der Schürstraße 5 in Berlin-Spandau eine neue soziale Einrichtung eröffnet, in der Familien mit Kindern sozialpädagogisch rund um die Uhr betreut werden. Der Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V. schließt damit eine Lücke in den stationären Hilfen für Familien und Alleinerziehende, die eine besonders intensive Unterstützung bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder benötigen.

Rund-um-die-Uhr-Betreuung

„Häuser dieser Art sind eine Notwendigkeit in dieser Zeit“, betont Vorstandsvorsitzender Rainer Haßelmann. Die Idee, Eltern in schwierigen Lebenssituationen Hilfen anzubieten, ohne die Familie zu trennen, sei ein ganz wichtiger Punkt, bekräftigte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank. In den kommenden Wochen ziehen die ersten Familien in die neun Wohnungen, die zwischen 43 und 96 Quadratmetern groß sind. „Wichtigste Voraussetzung für den Einzug und die Hilfe im Familienhaus ist die Bereitschaft der Eltern, sich aktiv und verbindlich zu beteiligen“, erläutert Cornelia Piekarski, Geschäftsführerin des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes Berlin.

Die Familien werden rund um die Uhr von Sozialpädagog*innen und Erzieher*innen betreut. Die Fachkräfte helfen ihnen bei der Erziehung ihrer Kinder, erklären, wie man sie versorgt und altersgerecht fördert. Das Angebot richtet sich an Eltern, bei denen die familiäre Situation sich so krisenhaft entwickelt hat, dass eine Herausnahme des Kindes bzw. der Kinder droht oder auch schon erfolgt ist. Im Familienhaus erhalten die Eltern die Chance als Familie zusammen zu leben und aktiv an Veränderungen zur Sicherung des Kindeswohls zu arbeiten. Das Angebot richtet sich auch an Menschen mit Behinderung, die in ihrem Recht auf Familie und Elternschaft unterstützt werden sollen.  In den Wohneinheiten verbleiben die Eltern weitgehend in der Verantwortung und Gestaltung des Familienalltags. Zur Teilnahme an den Gruppentreffen sind alle Eltern verpflichtet. So lernen sie sich untereinander kennen und tauschen sich über ihren Lebens- und Erziehungsalltag aus. „Gleichzeitig erfahren sie, dass sie mit ihren Fragen und Problemen nicht alleine sind, sich aber auch durch das Teilen von Erfolgsgeschichten gegenseitig unterstützen können“, erklärt Cornelia Piekarski.

Unterbringung auf Zeit

„Jede betreute Familie bezieht eine eigene Wohnung, deren Größe sich an den Standards der aktuellen Wohnraumverordnung orientiert. Wir haben zudem die Option vorgesehen, ggf. zwei kleinere Wohnungen zusammenlegen zu können“, berichtet Thomas Grahn, Geschäftsführer des Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V.. Der verantwortliche Architekt Wolf-Rüdiger Lau ergänzt: „Alle Wohnungen verfügen über ein Kinderzimmer mit mehr als zehn Quadratmetern, über Bäder mit bodengleichen Duschen, Einbauküchen und Balkonen. Bis zu zwölf Kinder finden hier eine Unterkunft. Das gesamte Haus und alle Etagen vom Keller bis zum Dachgeschoss sind barrierefrei erschlossen.“

Die Familien bleiben auf Zeit. Ziel ist es, mit praktischen Übungen, Bildungsangeboten, Reflexionsgesprächen und therapeutischen Angeboten die Eigenständigkeit der Eltern so weit zu fördern, dass sie ihren Alltag wieder allein meistern können. Bei Bedarf werden die Familien ambulant weiter betreut. Die Baukosten von insgesamt knapp 2 Mio. Euro wurden über Spenden, Eigenmittel, Kredite und Stiftungsgelder u.a. der Deutschen Fernsehlotterie finanziert.

 

 

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