Foto: Matthias Steinbach

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Mittwoch, 08. November 2017
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PerspektiveBerlin: "Deutsch und Sachkunde sind meine Lieblingsfächer"

Matthias Steinbach, Fotograf, im Gespräch mit dem jungen Kurden Besrawi Kilo

M: Junger Mann, stelle dich doch einmal vor

B: Hallo ich bin Besrawi Kilo. Ich bin 11 Jahre alt, Kurde und bin aus Syrien mit meiner Familie nach Deutschland geflohen

M: Woher kommst du genau und wann bist Du nach Deutschland gekommen?

B: Ich komme aus Afrin, das ist nahe Aleppo. Wir sind im September 2015 geflohen. Aleppo war zu dieser Zeit ein schlimmer Ort.

M: Mit wem zusammen bist du auf die Flucht gegangen?

B: Gemeinsam mit meinem älteren Bruder, meiner Schwester und meiner Mutter. Mein Vater ist dann auch geflohen, momentan aber wieder in Syrien.

M: Welche Erinnerungen hast du an den Fluchtweg?

B: Es war hart. Wir hatten nicht viel und ich hatte auch Angst. Wir sind über die Türkei geflohen und letztendlich sind wir gut in Deutschland angekommen. Soldaten haben aber auf der Flucht vor unsere Füße geschossen. Das war schrecklich.

M: Ist die Unterkunft in Marienfelde eure erste Unterkunft?

B: Ja, wir wohnen hier nun seit fast zwei Jahren. Mein älterer Bruder wohnt nun an einem anderen Ort in Berlin. Zu Beginn hatten wir alle zusammen wirklich wenig Platz. Es war auch nicht immer einfach mit all den anderen Menschen aus vielen Ländern. Die sind doch auch ziemlich anders. Wenn es Probleme gab, hat meine ältere Schwester immer mit den anderen geredet. Sie ist nämlich sehr schlau.

M: Dein Deutsch ist ja wirklich gut. Erzähl doch mal was über die Schule.

B: Also, ich gehe nun in die dritte Klasse. Deutsch und Sachkunde sind meine Lieblingsfächer. Ich habe in der Schule auch das Schwimmen gelernt. Richtig toll finde ich die ganzen Ausflüge, die wir schon gemacht haben. Ich war schon in der Bremsdorfer Mühle und wir haben auch Zeit auf einem Bauernhof mit drei Übernachtungen verbracht.

M: Wie findest du deine Lehrer?

B: Die sind eigentlich ganz ok. Sie kriegen es aber nicht immer hin, dass in der Klasse Ruhe ist. Das muss noch besser werden!

M: Weißt du schon, was du später einmal werden willst?

B: Also, so als Doktor arbeiten, der Kinder auf die Welt bringt.

M: Gynäkologe?

B: Heißt das so? Das klingt irgendwie nach Dinosauriern!

M: Was fehlt dir aus deiner Heimat?

B: Also, es tut mit ein wenig leid das zu sagen, aber das Wetter in Syrien ist wirklich besser als in Deutschland.

M: hmmm, du klingst ja schon wie ein Deutscher. Hier wird dauernd über das Wetter geredet...

B: Und Sahlab trinken fehlt mir. Das schmeckt nirgends so gut wie in der Heimat.

M: Was wünscht du dir für die Zukunft?

B: Syrien soll wieder gut werden. Dann kann ich eines Tages zurückgehen

M: Wie bist du zu CABUWAZI gekommen?

B: Die haben ja gerade Sommerferienprogramm. Das habe ich mitbekommen. Zirkus ist doch toll. Meine Brüder machen auch ganz viel. Mein älterer Bruder macht politisches Kabarett.

M: Oh, den muss ich einmal kennenlernen.

B: Kein Problem. Ich bin auch schon als Straßenschauspieler aufgetreten. Meine Mutter sagt ich bin für so was geboren. Sie meint ich rede mehr als man im Radio hören kann.

M: Junger Mann. Vielen Dank für das Gespräch.

 

 

PerspektiveBerlin – so nennen wir unser Projekt mit unserer Mitgliedsorganisation Grenzkultur gGmbH, dem Träger des Kinderzirkus' CABUWAZI, und dem Fotografen Matthias Steinbach. PerspektiveBerlin zeigt, wie mit künstlerischen Mitteln versucht wird, die Integration unserer neuen Mitmenschen voranzubringen. PerspektiveBerlin blickt in das Arbeiten an Standorten von CABUWAZI und begleitet junge Menschen auf ihrem Weg in unsere Stadt. Dabei entstand so viel tolles Bildmaterial, das wir Ihnen/Euch nicht länger vorenthalten wollen. Wir hoffen, dass sich viele von diesen Fotos und der PerspektiveBerlin bewegen lassen. Außerdem zeichnen wir die Begegnungen und Gespräche auf, die im Rahmen des Projekts stattfanden und hoffen somit die Eindrücke durch die Foto(serien) noch lebendiger werden zu lassen.


Ein Dankeschön geht an Matthias Steinbach, die Verantwortlichen von CABUWAZI, an unsere Mitmenschen in den Einrichtungen und an den Orten in der Stadt, überall dort, wo wir ihre Erlebnisse und ihre Emotionen festhalten dürfen. Die Kooperation entstand im Rahmen der „Paritätischen Arbeitstreffen junge geflüchtete Menschen“. Alle Bilder finden Sie auch in unseren Flickr-Alben zur Serie.

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