Am 22. September 2017 eröffnet in der Schürstraße 5 das neue Familienhaus. Foto: Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V.

Anne Beyer
Anne Beyer Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag Kinderschutz Spandau Ein familienhaus entsteht
Mittwoch, 13. September 2017
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Das Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin eröffnet das „Familienhaus“

Am Freitag, den 22. September 2017, eröffnet in der Schürstraße 5 in Berlin-Spandau eine neue soziale Einrichtung, in der Familien mit Kindern sozialpädagogisch betreut werden.

Am 22. September findet die feierliche Eröffnung des neuen „Familienhauses“ in Berlin Spandau statt. Der Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V. schließt mit dem Angebot eine Lücke in der Betreuung von Kleinfamilien und Alleinerziehenden, die Hilfe bei der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder benötigen. 

„Häuser dieser Art sind eine Notwendigkeit in dieser Zeit“, betont Vorstandsvorsitzender Rainer Haßelmann. Die Idee, Eltern in schwierigen Lebenssituationen Hilfen anzubieten, ohne die Familie zu trennen, sei ein ganz wichtiger Punkt, bekräftigte Bezirksbürgermeister Helmut Kleebank auf der Feier zur Grundsteinlegung im September 2017.

Neun Wohnungen zwischen 43 und 96 Quadratmetern und eine zusätzliche Betreueretage umfasst das Neubauprojekt. „Wichtigste Voraussetzung für den Einzug und die Hilfe im Familienhaus ist die Bereitschaft der Eltern, sich aktiv und verbindlich zu beteiligen“, erläutert Cornelia Piekarski, Geschäftsführerin des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes Berlin. Die Familien werden rund um die Uhr von Sozialpädagogen betreut. Die Fachkräfte helfen ihnen bei der Erziehung ihrer Kinder, erklären, wie man sie versorgt und altersgerecht fördert. Das Angebot richtet sich an Eltern, die den Alltag nicht alleine meistern können, weil sie in einer Lebenskrise stecken oder geistig beeinträchtigt sind. In den Wohneinheiten verbleiben die Eltern weitgehend in der Verantwortung und Gestaltung des Familienalltags. Zur Teilnahme an den Gruppentreffen sind alle Eltern verpflichtet. So lernen sie sich untereinander kennen und tauschen sich über ihren Lebens- und Erziehungsalltag aus. „Gleichzeitig erfahren sie, dass sie mit ihren Fragen und Problemen nicht alleine sind, sich aber auch durch das Teilen von Erfolgsgeschichten gegenseitig unterstützen können“, erklärt Cornelia Piekarski. Spezielle Situationen werden in Rollenspielen nachgespielt und die Kinder aktiv an allen Prozessen beteiligt. Dazu gehören auch gemeinsame Ausflüge, Hauskonferenzen und Feiern.

„Jede betreute Familie bezieht eine eigene Wohnung, deren Größe sich an den Standards der aktuellen Wohnraumverordnung orientiert. Wir haben zudem die Option vorgesehen, ggf. zwei kleinere Wohnungen zusammenlegen zu können“, berichtet Thomas Grahn, Geschäftsführer des Albert-Schweitzer-Kinderdorf Berlin e.V.. Der verantwortliche Architekt Wolf-Rüdiger Lau ergänzt: „Alle Wohnungen verfügen über ein Kinderzimmer mit mehr als zehn Quadratmetern, über Bäder mit bodengleichen Duschen, Einbauküchen und Balkonen, Loggien oder Terrassen. Bis zu zwölf Kinder finden hier eine Unterkunft. Das gesamte Haus und alle Etagen vom Keller bis zum Dachgeschoss sind barrierefrei erschlossen. Dafür sorgt ein Aufzug, der auch den Transport einer Krankentrage ermöglicht.“

Die Familien bleiben auf Zeit. Ziel ist es, mit praktischen Übungen, Bildungsangeboten, Reflexionsgesprächen und therapeutischen Angeboten die Eigenständigkeit der Eltern so weit zu fördern, dass sie ihren Alltag wieder allein meistern können und in einen eigenständigen Haushalt ziehen können. Bei Bedarf werden die Familien anschließend ambulant weiter betreut.

Die Baukosten von insgesamt knapp 2 Mio. Euro wurden über Spenden, Eigenmittel, Kredite und Stiftungsgelder u.a. der Deutschen Fernsehlotterie finanziert. Das Angebot richtet sich zwar vorrangig an Spandauer Familien, steht aber auch anderen Bezirken offen, wenn Plätze frei sind.

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