Viel Bewegung brachte die Tanz-Performance der Hip Hop-Gruppe/ Foto: SOS Kinderdorf Berlin

Barbara Winter
Barbara Winter Jugendkulturarbeit Mitte Kinder & Jugendliche Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag
Mittwoch, 13. Dezember 2017
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Barbara Winter Jugendkulturarbeit Mitte Kinder & Jugendliche Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag

Das Hip Hop Mobil zu Gast im SOS-Kinderdorf

Heimat ist ein Gefühl und kein Ort

Ein besonderes Highlight der gemeinsamen sozialen Arbeit war Mitte November der Besuch des Hip Hop Mobils in den berufsvorbereitenden Projekten BvB, Everest und Perjuf des SOS-Kinderdorf Berlin.

Drei Tage konnten sich unsere Jugendlichen in den Workshops „Hip Hop“, „Graffiti“ und „Rap“ neue Techniken aneignen, die sie am Ende einem begeisterten Publikum vorführten. Das Hip Hop Mobil wird von aktiven Szene-Fachleute geführt, die in Schulen und Jugendeinrichtungen auf Anfrage Workshops anbieten. Uns standen die Dozenten Joshua und Devin (HipHop), Robert (Rap) sowie Marko und Mika (Graffiti) zur Seite.

Die Workshops starteten morgens mit einem leckeren gemeinsamen Frühstück, das von den Teilnehmenden der Berufsvorbereitung hergerichtet wurde. Am ersten Vormittag durchlief jeder Jugendliche einen halbstündigen Parcours durch die drei angebotenen Themen und musste sich danach für einen Bereich entscheiden. Ohne große Diskussionen bildeten sich drei Gruppen, die in den nächsten Tagen engagiert mit den Dozenten arbeiteten.

Die Anleiter stellten sich sehr einfühlsam auf die Interessen, Bedürfnisse und auch auf schon vorhandenes Können der Jugendlichen ein. Gemeinsam mit den Team-Kollegen von SOS-Kinderdorf wurde ein angenehmer, wertschätzender Workshop durchgeführt. Die Jugendlichen aus den unterschiedlichen Maßnahmen rückten noch ein Stück näher zusammen – das gute Miteinander wurde somit zusätzlich gestärkt.

RAP – Kunst mit Worten

Die Abkürzung RAP steht für Rhythm and Poetry (Rhythmus und Poesie), auch bekannt als Sprechgesang. Mit einfachen Tricks zeigte Robert, alias „Drob Dynamic“, wie man schnell selbst zum Rapper wird und eigeneTexte schreibt. Die Jugendlichen, zum Teil geflüchtete junge Leute, fanden sehr schnell ein gemeinsames Thema: „Heimat“. Zu den Texten wurde am Ende des Workshops passende Musik ausgewählt und dann die Aufführung geprobt. Bei der gemeinsamen Abschlusspräsentation wurde der Rap-Song dann vorgeführt. Dabei wurde das Mikrofon immer zum nächsten Teilnehmer weitergereicht, der nach vorne trat und seine Strophe sang. Trotz des Lampenfiebers klappte es reibungslos und war eine erstaunliche sprachliche Leistung vor allem von den Jugendlichen, die erst seit rund zwei Jahren in Deutschland leben. Der Rap unserer Gruppe gehörte zum Genre des „Conscious Rap“, einem Storytelling, das z. B. soziale oder politische Themen berührt und als Gegenteil des „Gangsta-Rap“ gilt.

Graffiti – Kreativität in malerischer Form

Graffiti ist die malerische Art, sich im Hip Hop auszudrücken. Dabei werden Bilder oder Worte, Namen, Buchstaben etc. in einer bestimmten Art gezeichnet. Wie das genau funktioniert und was man dabei beachten sollte, zeigten die Dozenten den Jugendlichen sehr anschaulich. Die Graffiti-Gruppe suchte sich eigene Nick-Names, lernte Techniken wie „Bubble Style“ oder „Wild Style“ und malte dann den gewählten Namen in einem der Stile mit Filzstiften auf DIN A4 Papier. Die Graffitis wurden zum Schluss mit einer speziellen Paste in einem einfachen Verfahren auf ein Holzbrettchen übertragen, so dass jeder Teilnehmer ein eigenes Kunstwerk vorweisen und mit nach Hause nehmen konnte. Auch diese Einzelpräsentation zeigte, mit wie viel Kreativität und Sorgfalt unsere Jugendlichen ihre Arbeiten ausgeführt hatten.

Breakdance – Bewegung mit viel Körpergefühl

Breakdance ist nicht nur „sich auf dem Kopf zu drehen“ oder „auf der Hand zu hüpfen“, sondern vor allem auch viel Tanz. Von den Grundschritten wie „Pace“, „Kickballchange“, Crossstep“ und „Bounce“ bis hin zu den „Powermoves“ brachten die Dozenten Joshua und Devin den Jugendlichen bei, wie es geht. Die Tänzer unserer Hip Hop-Gruppe schafften es so, innerhalb von drei Tagen eine tolle Tanz-Performance mit individuellen Einzeldarbietungen und Breakdance-Einlagen umzusetzen und vorzuführen.

Insgesamt waren die Workshops und die Abschlusspräsentation ein großer Erfolg. Es gab bewegende Momente, viel Musik und Spaß, aber auch einige nachdenkliche Phasen. Die geflüchteten Jugendlichen brachten zum Beispiel ihre Erfahrungen und Erinnerungen in die Rap-Texte ein und Teilnehmende der Berufsvorbereitung erstellten sensible Erfahrungsberichte:

Heimat ist ein Gefühl

Und kein Ort

Manche bleiben da

Manche gehen fort

Ja genau das ist Realität

Egal woher du kommst

Es zählt wohin du gehst

 

I life here

I love my home

Berlin City is my new zone

For my life it’s a new start

But my land is always my heart

I don’t wanna money

I don’t wanna gold

I want only peace in my world

Never say shit

About my home

Or I will give you einmal bumm

 

Ich bin in Deutschland

Und denke an meine Heimat

Sie ist zerbombt

Ich habe diesen Scheiß satt

Takhar ich lass dich jetzt allein

Ich wünsche mir wieder bei dir zu sein.

(Jugendliche Everest/Perjuf)

 

Willkommen im Wedding, in dieser Gesellschaft

In der man guckt, wie man sein Geld macht

Auch wenn Du Leute verletzt

Ich folge für immer Mamas Gesetz

 

Aufgewachsen im Wedding seit Jahren

Hier konnte ich Gutes und Schlechtes erfahren

Ich hab Schlägereien gesehen von Morden gehört

Die Welt, die ich hier sehe, ist manchmal ziemlich gestört.

 

Gib mir eine Heimat, wo Friede herrscht

Ich suche eine Familie für mein Herz

Ich suche einen Ort mit Wärme und Gemeinschaft

Genau das ist für mich Heimat

(Jugendliche BvB)

 

Die Workshop-Woche förderte das gute und kreative Miteinander im alltäglichen Lernen im SOS-Kinderdorf Berlin. Und auch die Dozenten des Hip Hop Mobils und deren Projektleiter Imran Khan waren von den Ergebnissen des Workshops beeindruckt. In der Abschlusspräsentation besuchte uns zudem ein Kollege der Senatsverwaltung und überzeugte sich von der bewegenden Arbeit des Hip Hop Mobils.

Wir würden uns freuen, diese konstruktive Zusammenarbeit des Hip Hop Mobil mit dem SOS-Kinderdorf Berlin auch 2018 fortzusetzen und danken allen Beteiligten für diese bisher einmalige Woche.

 

Autorinnen: Katja Dittmar und Annette von der Heide (KD Berlin)

 

Info: Das Hip Hop Mobil ist ein von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie in Berlin gefördertes Projekt der WeTeK Berlin gGmbH. Gemeinsam mit dem Projektleiter Imran Khan organisierte das SOS-Team einen Workshop für Teilnehmende der über die Arbeitsagentur Mitte geförderten Berufsvorbereitung (von SOS-Kinderdorf Berlin in Zusammenarbeit mit der GFBM durchgeführt) sowie für geflüchtete Teilnehmende der Projekte Everest und Perjuf.

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