Begegnungen beim offenen Familienfrühstück, Foto: Dorthe Kreckel, casablanca gGmbH

Elisabeth Müller Eltern Wissenschaft Fachöffentlichkeit & Politik Kinderschutz Stadtteilarbeit Spandau Kinderschutz bewegt Berlin
Dienstag, 02. Januar 2018
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Ein Jahr „Offene Familienwohnung“ in Spandaus Falkenhagener Feld

Erfolgreich im Kiez etabliert

Seit Sommer 2016 gibt es die „Offene Familienwohnung“ mitten im Hochhausareal Falkenhagener Feld. Für etliche Bewohnerinnen und Bewohner und besonders Kinder aus dem strukturschwachen Gebiet ist die gemütliche 4-Zimmerwohnung im Erdgeschoss innerhalb eines Jahres ein fester Bezugspunkt geworden. Hier hat sich nachbarschaftliches Miteinander entwickelt, getragen von der Unterstützung durch eine professionelle Koordinatorin. Kinder aus dem Kiez zwischen etwa 6 und 12 Jahren haben im Kraepelinweg einen förderlichen Ort gefunden, an dem sie begleitet ihre Freizeit verbringen können und dabei sicher aufgehoben sind. Für Eltern ist die Offene Familienwohnung ebenfalls ein Anlaufpunkt, sie können an Kursen teilnehmen, sich beraten lassen und sich zum nachbarschaftlichen Austausch treffen. Das Projekt basiert stützt sich auf das beispielhafte Zusammenwirken verschiedener Partnern, die diese Zusammenarbeit aus Sorge um Kinder in der Region entwickelt haben.

Eine hohe soziale Belastung des Gebietes, erhöhte Kinderschutzmeldungen beim Jugendamt und Gewaltvorfälle gegen Kinder waren im Herbst 2012 Anlass für die Gründung von Familien Stärken. Auf Anregung des Jugendhilfeträgers casablanca gGmbH und des Schwerpunktvermieters Gewobag wurde die Gemeinschaftsinitiative gemeinsam mit dem Jugendamt und weiteren Akteuren ins Leben gerufen. Die im Gebiet tätigen Partner von Familien Stärken sahen dringenden Handlungsbedarf und entwickelten in einem über zwei Jahre laufenden Workshop-Verfahren, ein Konzept zur Verbesserung der Lebensqualität für Kinder und Familien im Quartiersmanagement-Gebiet.

Zum „Tag der offenen Tür“ am 10. November 2016 unterzeichneten die Partner eine Vereinbarung, in der das Vorhaben und die jeweiligen Beiträge zum Projekt verbindlich festgeschrieben sind. Beteiligt sind – neben der Gewobag und der casablanca gGmbH als Träger – das Jugend- und Stadtplanungsamt des Bezirks Spandau, das Jobcenter, die Planungs- und Koordinierungsstelle Gesundheit, das Quartiersmanagement, das Netzwerk Prävention und Gesundheitsförderung sowie die schulpsychologische Beratungsstelle. Ebenso wirkt die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt maßgeblich mit.

 

Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung für die Nachbarschaftswohnung, Foto: Dorthe Kreckel, casablanca gGmbH

Die Offene Familienwohnung funktioniert wie ein kleines Nachbarschaftszentrum, in dem die Nutzerinnen und Nutzer niedrigschwellig „Familienalltag“ trainieren und leben können. Allen Kiezbewohnern stehen regelmäßige Angebote offen, die Bewegung, Spiel und Lernen fördern und gleichzeitig den Austausch unterstützen. Nachbarinnen und Nachbarn engagieren sich ehrenamtlich, so dass sich ein Gefühl des Miteinanders entwickelt.

Inzwischen ist die Wohnung ein zweites Zuhause für Kinder, Eltern und Nachbarn und zeigt sich als Modell, welches Intervention und Prävention integriert. Ob mit Näh-Tipps oder Nachhilfe – die Besucherinnen und Besucher der Wohnung verbinden und helfen sich gegenseitig. Sie haben offenbar so viel Bedarf und Interesse an Gemeinschaft, dass zum Nachbarschaftsgrillen im Juli 2017 statt der erwarteten 50 gleich 150 Personen erschienen.

Bewusst als Modellprojekt angelegt, hat sich der für Berlin einzigartige Netzwerkansatz mit dem Konzept der „Offenen Familienwohnung“ augenscheinlich bewährt. Leider steht die Finanzierung bisher im Kontrast zur breiten Nutzung und dem großen Zulauf durch Kinder, Familien und Nachbarn. Sie ist prekär und bisher bis zum 31.12.2018 befristet.

Der Netzwerkfonds ermöglichte den Start mit einer 75-Prozent-Stelle für die Standortkoordinatorin und einer FSJ-Stelle und finanziert zudem die externe Evaluation. Die Gewobag stellt die Wohnung kostenfrei bereit und übernimmt die laufenden Energiekosten, das Jobcenter unterstützt mit einer FAV-Stelle, und das Jugendamt trägt einige Angebotskosten für Kinder und Eltern. Mit Hilfe der Werner-Coenen-Stiftung konnte die Koordinatorenstelle aufgestockt werden. Imbissangebote trägt casablanca bisher aus eigenen Spenden.

Um der großen Nachfrage gerecht werden zu können, haben sich die Kooperationspartner erfolgreich um eine Aufstockung der personellen Ressourcen bemüht. Ab dem 4. Quartal 2017 und vermutlich bis Ende 2018 kann die Standortkoordination um eine weitere 75-Prozent-Stelle verstärkt werden. Auch hier zeigt sich, dass das Kooperationsnetzwerk tatsächlich funktioniert.

 

Die Autorin:

Elisabeth Müller ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei Casablanca GGmbH.

Der Beitrag ist zuerst im Paritätischen Rundbrief 4 / 2017 (PDF) erschienen.

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