Podiumsdiskussion auf der Fachtagung zum Internationalen Tag der Familie. Foto: Anne Beyer

Anne Beyer
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Mittwoch, 16. Mai 2018
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Ergebnisse & Erkenntnisse: Fachtag zum Familienfördergesetz

Gestern veranstaltete der Paritätische Berlin eine Fachtagung zum Internationalen Tag der Familie. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und sozialen Organisationen diskutierten zu den Fragen: Was wird aus dem Familienfördergesetz? Wie können Familien unterstützt werden und was kann das geplante Familienfördergesetz des Landes Berlin dafür leisten?

Auf dem Podium standen u.a. Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie, Karlheinz Nolte, Vorsitzender des Beirates für Familienfragen und Martin Hoyer, stv. Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin.

Nach der Begrüßung durch Jugendhilfereferentin Anna Zagidullin eröffnete Martin Hoyer. Er sagte, wie wichtig es sei, gerade am Internationalen Tag der Familie zu betonen: „Familien sind bunt, unterschiedlich, wertvoll – selbst wenn eine laute Minderheit Angst vor Vielfalt hat. Familien in Berlin brauchen u.a. bezahlbaren Wohnraum, Kitaplätze, Hebammen, Hilfeangebote und eine entsprechende Infrastruktur.“ Ein ausführliches Interview mit ihm finden Sie auf unserem YouTube-Kanal und unter diesem Beitrag.

Martin Hoyer, stv. Geschäftsführer des Paritätischen Berlin. Foto: Anne Beyer

Nach ihm trat Sigrid Klebba hinter das Rednerpult. Förderung von Familien stehe im Koalitionsvertrag. „Wir wollen als familienfreundliche Metropole noch besser werden. Durch das enorme Wachstum der Stadt stehen wir vor neuen Herausforderungen. In den letzten Jahren hatten wir einige Defizite im Bereich Familienförderung.“

 

Sigrid Klebba, Staatssekretärin für Jugend und Familie. Foto: Anne Beyer


Auch Karlheinz Nolte stellte sich in einem Interview unseren Fragen (siehe unten). In seinem Grußwort legte er dar, wie wichtig Jugendförderung und das Jugendfördergesetz für Familien seien. Der ermittelte Bedarf von 80 Millionen Euro sei im Vergeich zum Gesamthaushalt eher eine Stelle hinter dem Komma. Familienpolitik und -förderung könne nur erfolgreich sein, wenn wir Bezüge zu denjenigen herstellen, die mit Familien arbeiten, d.h. zu MitarbeiterInnen der Kinder- und Jugendhilfe und den freien Trägern.

Karlheinz Nolte, Vorsitzender des Beirates für Familienfragen. Foto: Anne Beyer

Als erster längerer Beitrag folgte Antje Ludwigs Darstellung der Erfahrungen aus dem Gesetz zur Familienförderung und zur Förderung sozialer Beratungsstellen des Landes Sachsen-Anhalt. Die Referentin der Landesgeschäftsführung und des Vorstandes im Paritätischen LV Sachsen-Anhalt stellte dar: „Multiproblemlagen und veränderte Familiensysteme erfordern umfassende adäquate und längerfristige Hilfesysteme. Sozialraumorientierung und Wirkungsorientierung waren bei der Neugestaltung der Beratungslandschaft ein wichtiges Thema. Multiprofessionelle Teams sind ein echter Erfolgsfaktor für die Familienarbeit!“

Antje Ludwig, Referentin der Landesgeschäftsführung und des Vorstandes im Paritätischen LV Sachsen-Anhalt. Foto: Anne Beyer


Im Anschluss folgte der Beitrag „Bedarfsgerechte Familienpolitik als Schwerpunkt des Senats“ von Kirstin Fussan, Abteilungsleiterin Jugend und Familie in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. „Familienförderung ist in den letzten Jahren zurückgegangen – aus den Bezirken heraus war die Arbeit kaum noch finanzierbar. Das Ergebnis sind große Lücken in der Infrastruktur. Ziele des neuen Familienfördergesetzes sind u.a.: passende niedrigschwellige Angebote für Familien, Unterstützung auch in schwierigen Lebenslagen, Lotsenfunktionen zur Verfügung stellen, Teilhabe von Familie in gesellschaftlichen Prozessen, Bedarfe sichern in unterschiedlichen Lebensphasen von Familien, hohe Selbsthilfepotenziale unterstützen und die finanzielle Absicherung aller dieser Bedarfe.“

Kirstin Fussan, Abteilungsleiterin Jugend und Familie in der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie. Foto: Anne Beyer


Andreas Gladisch
, Jugendamtsdirektor Neukölln, legte im Anschluss konkrete Zahlen vor. „Insgesamt geben die Bezirke für Familienförderung in Berlin gerade mal 15 Millionen aus. Zählt man Jugendclubs u.s.w. großzügig hinzu, sind es 17 Millionen Euro. Bei unserer Modellrechnung der Bedarfe kommen wir auf 358 Euro für JEDES Kind. Rechnet man das auf Berlin hoch, kommen wir auf die Zahl, die Herr Nolte schon genannt hat: 80 Millionen Euro. Derzeit geben wir also gerade mal 20 Prozent davon aus, was notwendig wäre in unseren Augen.“ Er ergänzte: „Familie ist der erste Bildungsort für Kinder. Das trifft JEDE Familie. Und wenn wir Kinder in die Welt setzen, ist das eine Maßnahme, die 60-80 Jahre lang wirksam ist. Es lohnt sich also, in Familien zu investieren!“

Andreas Gladisch, Jugendamtsdirektor Neukölln. Foto: Anne Beyer

Bezirkliche Ausgaben für Familienförderung in Berlin. Foto: Anne Beyer


Anna Zagidullin
präsentierte daraufhin das Diskussionspapier des Paritätischen zur Erarbeitung eines Familienfördergesetzes, das Sie hier herunterladen können (PDF). Ein guter Anfang sei auch mit dieser Veranstaltung gemacht.

Anna Zagidullin, Jugendhilfe-Referentin beim Paritätischen Berlin. Foto: Anne Beyer

In der anschließenden Podiumsdiskussion mit Ralf Liedke vom Diakonischen Werk Berlin-Brandenburg, Regine Schefels, Leiterin der Landeskommission zur Prävention von Kinder- und Familienarmut, und Katrin Schloßhauer, GF Märkisches Sozial- und Bildungswerk, wurde deutlich, dass es gerade in der praktischen Umsetzung vor Ort noch große Lücken gibt zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Eine hohe Hürde sei es auch, an Außenstehende die Mechanismen in der Kostenaufstellung vermitteln zu können. Adressat des neuen Familienfördergestzes sei ja eine ganze Bevölkerungsgruppe – ALLE Eltern.

Alle Beteiligten waren sich darüber einig, dass die Fachtagung ein gelungener Einstieg in die Diskussion rund um ein neues Familienfördergesetz gewesen sei. Allerdings ist das Thema so komplex – von bezahlbaren Wohnraum, über genügend Kitaplätze, ausreichende und gut ausgestattete Schulen, bis zu Hebammen, medizinischer Infrastruktur, Familienhilfe und Frühprävention – dass es sicherlich noch einige solche Runden geben muss, bis ein sinnvolles Familienfördergesetz mit einer ausreichenden Finanzierung in Berlin verabschiedet werden kann.

Wir haben die Veranstaltung auf allen unseren Social-Media-Kanälen begleitet. Schauen Sie also auch gern auf Facebook, YouTube, Twitter und Instagram vorbei! Unter diesem Beitrag finden Sie drei Interviews mit Herrn Hoyer, Herrn Nolte und Grit Herrnberger, aus dem Vorstand des Paritätischen Berlin und Bereichsleitung Fipp e.V., sowie das Statement von Dr. Gabriele Schlimper, Geschäftsführerin des Paritätischen Berlin. Desweiteren haben auch unsere Mitgliedsorganisationen Statements zum Thema Familienförderung in Berlin abgegeben. Viel Spaß beim Lesen und Diskutieren!

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