Almut Weise ist als Sozial- und Sexualpädagogin bei pro familia Berlin tätig. Foto: privat

Nina Peretz
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Mittwoch, 24. Januar 2018
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Gespräch mit Almut Weise, pro familia Berlin

„In allen Beratungsbereichen übersteigt die Nachfrage unser Angebot um ein Vielfaches“

pro familia ist der führende Verband zu Sexualität, Partnerschaft und Familienplanung in Deutschland und betreibt flächendeckend das größte Beratungsnetz dieser Art in der Bundesrepublik.

Etwa 10.000 Menschen werden bei pro familia Berlin jährlich in persönlichen Gesprächen oder über telefonischen Kontakt erreicht und beraten. In der Beratung soll die Wahrnehmung der Rechte auf sexuelle Selbstbestimmung und selbstbestimmte Familienplanung gestärkt werden. Wir arbeiten rechtebasiert und bieten Beratung unabhängig von Alter, Geschlecht, religiösen, kulturellen, politischen und sexuellen Orientierung an. Das Angebot erstreckt sich über folgende Bereiche: Schwangerschaftskonflikt, Schwangerschaftsabbruch, medizinische Fragen zur Schwangerschaft, allgemeine soziale Fragen zur Schwangerschaft und Elternzeit, vorgeburtliche bzw. frauenärztliche Untersuchungen sowie Fragen rund um Verhütung. Außerdem führen wir Einzel- und Paarberatung,  Jugend- und Elternberatung sowie Beratung im Familien- und Arbeitsrecht durch. Magdalena Pöll sprach mit Almut Weise, die als Sozial- und Sexualpädagogin bei pro familia Berlin tätig ist.

Welche Ihrer Angebote sind für Familien besonders relevant?

Almut Weise: Junge Familien fragen vor allem den Bereich der sozialen Beratung nach, da die finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten während der Schwangerschaft mittlerweile sehr komplex sind. Auch eine Orientierung in Bezug auf Hebammensuche, den für die Schwangere richtigen Ort für die Geburt, Gestaltung des Wochenbettes und ähnliches sind willkommen. Bei jüngeren Schwangeren bestehen manchmal auch Fragen nach der Wohnsituation oder Sorgerechtsregelungen.
Ein weiterer Bereich ist die Jugendsprechstunde, die sich an Jugendliche und/oder ihre Eltern richtet und jeden Donnerstag zwischen 15-18 Uhr in unseren Räumen stattfindet. Die Themen drehen sich rund um das Erwachsenwerden, Ablösung aus dem elterlichen Haushalt, Entdecken der eigenen Sexualität und Identität oder das Vorhandensein einer gewollten oder ungewollten Schwangerschaft.

Mit welchen Fragen zum Thema Schwangerschaft kommen Frauen und Familien zu Ihnen?

Almut Weise: Die Schwangerschaftskonfliktberatung wird von Frauen alleine oder gemeinsam mit dem Partner oder der Partnerin gesucht, die sich entweder für einen Abbruch entschieden haben oder sich  Unterstützung im Entscheidungsprozess wünschen. Dabei können aufgrund des interdisziplinären Teams, bestehend aus Sozialarbeiterinnen, Ärztinnen, Psychologinnen und Sexualpädagogen, sowohl finanzielle Themen, medizinische Aspekte oder Paar- und Lebensperspektivische Fragen berücksichtigt werden.

Bei pro familia  besteht auch die Möglichkeit, eine ausführliche Verhütungsberatung in Anspruch zu nehmen, die sich sowohl an Jugendliche richtet, die das erste Mal verhüten bzw. an Menschen die an alternativer Verhütung interessiert sind.

Im Bereich der Pränataldiagnostik bieten unsere Ärztinnen außerdem eine umfangreiche Orientierungshilfe an.Einen weiteren Beratungsschwerpunkt bietet unsere Paar- und Sexualberatung, die auch vor allem für Paare nach der Geburt eines Kindes eine hohe Relevanz haben kann, aber grundsätzlich für Paare und Einzelpersonen in allen Lebensphasen offen ist.

Mit welchen Herausforderungen werden Sie konfrontiert und wo sehen Sie noch Handlungsbedarf in der Unterstützung von Familien in Berlin? 

Almut Weise: Aktuell ist der Hebammenmangel ein größeres Thema, mit dem sich Klientinnen an uns wenden. Aufgrund des niedrigschwelligen Zuganges wäre es wünschenswert, durch eine Hebamme im Team zumindest die notwendigsten Fragen klären zu können und so unseren Handlungsspielraum in der Zusammenarbeit mit Klientinnen und Klienten zu erweitern.

Es ist zwar sehr zu begrüßen, dass der Bereich der frühen Hilfen immer weiter ausgebaut wird, jedoch besteht eine Mangelversorgung für Frauen, die das zweite, dritte oder vierte Kind erwarten. Denn diese sind von der aufsuchenden Elternhilfe überwiegend ausgeschlossen und erhalten Unterstützung ausschließlich durch vom Jugendamt angeordnete Maßnahmen, wenn sie diese nicht selbst finanzieren können.

Ein weiteres Problem ist der immer drastischer werdende Wohnungsmangel in der Stadt, der vor allem Familien mit geringem Einkommen einer sozialen Verdrängung aussetzt.

Im Bereich geflüchtete Menschen hat sich insgesamt zwar die Versorgungslage verbessert, wenn Familien die Unterkünfte jedoch verlassen und in eigene Wohnungen ziehen, erhalten sie oft keine Unterstützungen mehr, und der Umgang mit den Ämtern, der Schule und der medizinischen Versorgung gestaltet sich häufig schwierig.

Wir merken grundsätzlich, dass in allen Beratungsbereichen die Nachfrage unser Angebot um ein Vielfaches übersteigt und wir viele Klientinnen und Klienten weiterverweisen müssen. Grund dafür könnte sein, dass die Personalausstattung nicht mit den steigenden Einwohnerzahlen wächst. Besonders bei der Nachfrage für  Beratungen in Bezug auf  finanzielle Hilfen für werdende Eltern ist der starke Anstieg drastisch spürbar. 

Mehr unter www.profamilia.de/angebote-vor-ort/berlin.html

Das Interview führte:

Nina Peretz ist stv. Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit beim Paritätischen Berlin und Redakteurin des Rundbriefs.

Der Beitrag ist zuerst im Paritätischen Rundbrief 4 / 2017 (PDF) erschienen.

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