Der Syrer Malek Noame erzählt, wie die Realität aussieht für Menschen, die aus ihrer Heimat flüchten mussten. Foto: Archiv SOS-Kinderdorf

Barbara Winter
Barbara Winter Angekommen in Berlin?! Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Qualifizierung & Fachlichkeit
Donnerstag, 29. Januar 2015
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Barbara Winter Angekommen in Berlin?! Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Qualifizierung & Fachlichkeit

Gut angekommen!?

Die Geschichte des syrischen Flüchtlings Malek Noame und seiner Familie ist eine unter Tausenden – und zum Glück eine, die (vorerst) positiv endet.

„Einwanderung tut uns gut“ (Industriepräsident Ulrich Grillo) und „Flüchtlinge sind Dreckspack“ (Pegida-Aktivist Lutz Bachmann) – diese beiden Aussagen stehen  am 21. Januar 2015 im Berliner Tagesspiegel nur ein paar Seiten voneinander entfernt und zeigen, wie groß das Spektrum zwischen Willkommen und absoluter Ablehnung von Flüchtlingen in Deutschland ist. Aber wie sieht die Realität denn nun aus für die Menschen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak, die aus ihrer Heimat flüchten mussten? Auch hier ist das Spektrum sehr groß zwischen denen, die sich willkommen fühlen und anderen, die viele negative Erfahrungen gesammelt haben. Ein Beispiel das zeigt, wie Integration gelingen kann und wie sie allen Seiten auch sichtlich Freude macht, ist der Syrer Malek Noame.  Er kam 2013 mit seiner Familie nach Deutschland und fand vor allem durch seine sehr aktive Eigeninitiative einen gelungenen Anschluss beim SOS-Kinderdorf Berlin. Seine ganz persönliche Geschichte schildert er in einem Interview.   

Wie sah Ihr Leben aus, bevor Sie Syrien verlassen mussten?

Ich habe mit meiner Familie in Daraa gelebt, das liegt im Süden Syriens, in der Nähe von Damaskus. Dort war ich Geschäftsmann und hatte eine Firma für Elektronikgeräte mit 11 Mitarbeitern. Wir hatten ein gutes Leben, in einem eigenen Haus, mit einem guten sozialen Netzwerk.

Konnten Sie Ihre Flucht planen oder mussten Sie Ihre Heimatstadt Hals über Kopf verlassen?

In Daraa ist der Konflikt in Syrien zuerst ausgebrochen. Meine Familie und ich haben noch etwa ein Jahr dort ausgehalten und wollten abwarten. Wir hatten die Hoffnung, dass sich wieder alles beruhigt. Dann sind wir zu den Schwiegereltern in einer entfernten Stadt gezogen. Den Laden haben wir noch behalten, und ich habe versucht, in der neuen Stadt auch einen Laden aufzumachen. Aber der Krieg wurde immer schlimmer. Und wir als Christen kamen in eine immer bedrohlichere Lage. Ich wollte meine Familie, vor allem meine drei Söhne, schützen. Sie sind jetzt fünf, 15 und 17 Jahre alt.

Wie kamen Sie nach Berlin?

Ich hatte einen Freund in Berlin, der mir sagte, wir sollten uns auf die Warteliste für Kontingentflüchtlinge setzen lassen. Das haben wir gemacht und sind dann nach Jordanien gegangen. Da haben wir 7 Monate gelebt und ich habe eigentlich mein gesamtes Vermögen ausgegeben. Es ist dort sehr teuer und ich wollte meiner Familie nicht zumuten, in einem Lager zu leben. Wir haben eine Wohnung gemietet, das hat sehr viel gekostet. Zum Glück konnten wir dann als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland kommen, zu unserem Freund in Kreuzberg. Das war am 1. August 2013.

Wie sah Ihr Leben anfangs in Berlin aus?

Die Kinder sind gleich in die Schule gekommen. Ich habe von Anfang an einen Deutschkurs belegt. Das Lernen ist mir am Anfang sehr schwer gefallen. Ich konnte mich nicht konzentrieren und war in Gedanken immer noch in Syrien. Seit November 2013 leben wir in der Huttenstraße in Moabit.

Wie haben Sie Kontakt zum SOS-Kinderdorf Berlin bekommen?

Mein jüngster Sohn besucht hier im Kinderdorf die Kita und da habe ich gleich Kontakt zu den Leuten bekommen. Ich wollte von Anfang an etwas machen und mich hier einsetzen. Im Sommer habe ich die Straßenspiele ehrenamtlich mit betreut. Das war gut, da kam ich mit vielen Leuten in Kontakt. Seit Herbst 2014 bin ich auch ehrenamtlich als Hausmeister bei SOS-Kinderdorf. Ich arbeite hier gerne ehrenamtlich. Das ist meine Art, Danke zu sagen und zu zeigen, dass ich etwas zurückgeben möchte.

Haben Sie sich in Deutschland willkommen gefühlt?

Ich habe in Deutschland nur gute Erfahrungen gemacht. Die Menschen hier sind hilfsbereit und haben eine hohe Moral. Das finde ich gut. Manchmal bin ich ein bisschen enttäuscht von anderen arabischstämmigen Leuten hier, weil sie manchmal auch undankbar sind.

Was ist Ihr Traum?

Ein Teil meines Traumes ist in Erfüllung gegangen, weil meine Familie und ich jetzt in einer Gesellschaft leben können, die nicht korrupt ist. Ich bin froh, dass ich das erleben darf.

Wenn der Krieg in Syrien zu Ende ist – möchten Sie dann wieder zurückkehren?

Wenn er jetzt schnell zu Ende wäre, würde ich wieder zurückgehen, aber das ist ja eine Illusion. Je länger der Krieg dauert, desto mehr wollen wir bleiben. Die Kinder schlagen hier ihre Wurzeln, sie können schon sehr gut Deutsch und haben Freunde gefunden. Wir haben auch Angst, weil wir Christen sind. Deutschland ist wie eine zweite Heimat für mich, darauf konzentriere ich mich. Ich will mich hier einbringen und nicht nur ein vorübergehender Gast sein.

Können Sie in Ihren alten Beruf zurückkehren?

Es ist mein Wunsch, wieder mit technischen Haushaltsgeräten zu handeln. Ich habe ja auch Elektrotechnik studiert. Im Moment ist die Sprachbarriere noch recht groß. Ich lerne zwar immer besser deutsch, aber die ganzen technischen Fachbegriffe muss ich noch lernen. Am liebsten würde ich mich bei Siemens bewerben. Die Sprache und die Arbeit sind das A und O. Wenn man hier schneller arbeiten dürfte, ginge die Integration schneller. Viele kommen auf dumme Gedanken, wenn sie so lange zum Nichtstun verdonnert werden.

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