Die Gruppe besuchte u.a. eine Moschee. Fotos: tandem BTL gGmbH

Barbara Brecht-Hadraschek
Barbara Brecht-Hadraschek Schulbezogene Jugendhilfe Marzahn-Hellersdorf Jugendarbeit Migration Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag
Montag, 10. April 2017
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Barbara Brecht-Hadraschek Schulbezogene Jugendhilfe Marzahn-Hellersdorf Jugendarbeit Migration Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag

Hellersdorfer Schüler*innen erkunden die Weltreligionen

„Religionen to go“: Einen buddhistischen Mönch im Tempel fragen, ob er beim Beten meditiert. Eine Kippa aufsetzen in der Synagoge. Klassenkameraden beim Beten in einer Moschee zusehen. Fragen stellen zum Leben nach dem Tod in einer Kirche. 30 Schüler*innen der Konrad-Wachsmann-Schule in Hellersdorf haben in einer Projektwoche jeden Tag eine andere Religion kennengelernt, Gemeinsamkeiten mit Mitschüler*innen entdeckt und Vorurteile abgebaut.

An der Konrad-Wachsmann-Schule in Hellersdorf ist Religion nur bei wenigen Schüler*innen Teil des Alltags. Berührungspunkte gab es hierzu vor allem mit den Willkommensklassen. Die Begegnung mit muslimischen Schüler*innen brachte Fragen auf, es gab aber auch Missverständnisse und Vorurteile untereinander. „Warum stört die Muslime, wenn ich mein Salamibrötchen esse?“, fragte sich Angi (15). „Dürfen Muslime vor der Ehe daten?“ Aber auch die Rollen von Mann und Frau oder die Kleidungsvorschriften beschäftigten die Schüler*innen der jetzigen 10e. „Ich war noch nie in einer Moschee, und fand das total spannend. Wir wollten dann alle Religionen kennen lernen“, erzählte schließlich Josi (16).

Eine Idee war geboren und die Schüler*innen setzten sich für deren Umsetzung ein. Die damalige Klasse 9e von Josi und Angi sowie die Willkommensklassen der Schule wollten gemeinsam eine Woche lang mehr über Religionen erfahren und sich darüber austauschen - praktisch und vor Ort in den jeweiligen Gebetsstätten. Die Jugendlichen begannen Fragen zu sammeln: Was sind die Grund-(Gelübde) eines Buddhisten? Sind alle Juden beschnitten? Was ist koscheres Essen? Und worin unterscheiden sich eigentlich Katholiken von Protestanten? Wie beten Christen? Ist verliebt sein/sich küssen/Dates haben bei den Muslimen vor der Ehe erlaubt?

In den ersten vier Tagen besuchte die Projektgruppe aus etwa 30 Schüler*innen berlinweit eine (freie) Kirche, eine Synagoge, einen buddhistischen Tempel und eine Moschee. Die Jugendlichen informierten sich vorab im Ethik-Unterricht und dann vor Ort in Vorträgen und gingen mit den Repräsentanten der Religionen ins Gespräch, stellten ihre Fragen. Schwierig war vor allem die Begegnung der muslimischen Jugendlichen mit der Synagoge. Nicht jeder war bereit, eine Kippa zu tragen. Manches blieb auch fremd oder brachte die Schüler*innen zum Staunen: „Man musste seine Schuhe ausziehen und Mädchen und Jungen mussten in getrennten Bereichen beten. Unseren Klassenkameraden beim Beten zuzusehen, das war schon sehr interessant<s>.</s>“, erzählt Josi von ihrem Besuch in der Moschee. „Der buddhistische Tempel war total super“, beschreibt Angi hingegen ihren Besuch im Buddhistischen Haus in Frohnau, das schon seit 1924 besteht und das erste buddhistische Zentrum Europas ist. „Dass Kirche so modern sein kann, hätte ich auch nicht gedacht“, staunten mehrere Schüler*innen beim Besuch des freikirchlichen Hope Centers.

Nach dem Besuch tauschten sich die Teilnehmer*innen der Projektwoche immer außerhalb der Gebetshäuser über das Erlebte aus.  Am Freitag wurde die Woche stilecht mit einer kulinarischen Reise abgerundet - alle Schüler*innen kochten gemeinsam in der Schul-Caféteria verschiedenste Speisen und reflektierten die Projektwoche. Parallel entstand ein Begleitfilm, der Anfang 2017 im Jugendclub "U5" in Hellersdorf uraufgeführt wurde.

Nicht nur das Wissen um Religionen wurde in der Woche erweitert, auch das soziale Miteinander konnte von dem Austausch profitieren:  „Das Verhältnis zur Willkommensklasse ist jetzt viel besser. Wir finden uns nett, grüßen uns auf dem Pausenhof. Man kennt sich jetzt einfach besser“, sagt Josi über die Veränderungen durch die Projektwoche. „Ich fand es sehr schön, dass die Schüler*innen auch ihre eigenen Religionen reflektiert und sich gefragt haben ´Wie gehe ich damit um?´ Die Schüler*innen waren auch sehr stolz darauf, dass sie selbst ihre Moschee und Glaubenssätze vorstellen durften“, resümiert Sophie Stephan, Sozialpädagogin bei tandem BTL.

Das Projekt kam so gut an, dass für den Sommer 2017 eine weitere Projektwoche „Religionen to go“ geplant ist. „Ich find’s cool, dass die Idee weitergeführt wird. Wir haben da echt was Sinnvolles gemacht, viel gelernt und Vorurteile abgebaut“, freut sich Angi.

Hauptakteur*innen der Projektwoche waren die Schüler*innen - unterstützt und koordiniert von der Klassenlehrerin, Frau Heiss, Frau Stephan und zu Beginn Frau Bredereck von der Schulsozialarbeit der tandem BTL, der ehrenamtlichen Schulmediatorin, Frau Wagner, der Ethik-Lehrerin, Frau Krödel und dem Streetworker Herr Koark.

 

Fotos:

Angi, Josi und Sophie Stephan, Sozialpädagogin bei tandem BTL im Interview und beim Durchsehen der Fotos der Projektwoche

Nach dem Interview

Gemeinsamer Kochtag

In der Moschee...

... und im buddhistischen Tempel.

Links:

Konrad-Wachsmann-Schule: kowarealschule.edupage.org

Schulsozialarbeit an der Konrad-Wachsmann-Schule: tandembqg.de/index.php

Streetwork Hellersdorf: streetworkhellersdorf.de

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Beliebtheit: 0  Rüfi - Vor 3 Monaten 4 Tagen  · 

Kann mich dem Gesagten nur anschließen. Vor allem in jungen Jahren entwickelt man eine Abneigung oder auch Vorurteile gegen über anderen, denen gegenüber, die man als "anders" ansieht. Mit diesem Projekt konnten Vorurteile umgangen werden. Was
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ich sehr gut finde ist, dass die Fragen von den Schülern formuliert worden sind. So konnten sie alle offenen Fragen beantworten und haben ein Gefühl für die jeweiligen Glaubensrichtungen und Religionen gewinnen können. Das Miteinander mit ihren Mitmenschen wird nach diesem Projekt sehr viel angenehmer für sie werden, da sie auf alle zuvor offenen Fragen nun die Antwort kennen.
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Beliebtheit: 0  Barbara - Vor 3 Monaten 4 Wochen  · 

Ja, ich war sehr beeindruckt, wie unvoreingenommen und einfach neugierig die Schülerinnen an das Thema herangegangen sind. Im Juli geht es in die nächste Runde. Klasse!
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Beliebtheit: 0  Inken - Vor 4 Monaten 3 Tagen  · 

Ich finde es ist eine gute Sache. Gerade um Vorurteile abzubauen. So kommt man sich doch näher und bekommt ein besseres Verständnis füreinander. Ich finde es gut, dass die Idee von den Schülern selbst kam und damit nicht das Gefühl kam: Die Lehrer wollten
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das wir das machen. Man sollte diese Projektreihe auf jeden Fall beibehalten, um so die Inklusion besser und auch einfacher gestalten zu können!
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