Ein Begegnungsprojekt zwischen Berliner Bürgern und Geflüchteten. Foto: Anne Beyer

Anne Beyer
Anne Beyer Angekommen in Berlin?! Friedrichshain-Kreuzberg Migration Fachöffentlichkeit & Politik Wissenschaft Top-Beitrag
Freitag, 02. Juni 2017
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Herzlich willkommen im Begegnungscafé

Seit Sommer 2016 läuft das neue AspE-Projekt „Wir & Ihr - Berliner Begegnungen“ in Kreuzberg und in Neukölln. Ziel ist es, Berliner Alteingesessene aus den Kiezen und neu dazu gekommene Geflüchtete zusammenzubringen, gegenseitige Annäherung, den Abbau von Vorurteilen und von Berührungsängsten zu unterstützen. Dazu kooperiert AspE e.V. mit zahlreichen Akteuren im Kiez, u.a. mit dem MehrGenerationenHaus Wassertor 48 e.V. und der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Stallschreiberstraße.

Zum einen werden im Kompetenzzentrum IBAS im Aufbau Haus bis Mai 2017 Fachkräfte und MultiplikatorInnen geschult und sensibilisiert – aus Jugendhilfe, Jugendämtern, Integrationskursen, Schulen und Kitas in zwei jeweils fünftägigen Schulungsreihen mit den Themen: „Antidiskriminierung“, „Globales Lernen“, „Flucht- und Fluchtursachen“, „Asylgesetzgebung“ und „Gemeinsame Perspektiven entwickeln“.

Im Herbst startete ein Begegnungscafé in der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Stallschreiberstraße. BewohnerInnen und BerlinerInnen aus dem Kiez lernen sich kennen, tauschen sich in Gesprächsrunden aus, haben Spaß zusammen und werden gemeinsame Freizeitaktionen machen. Außerdem entstehen aktuell Sprach- und Freizeittandems zwischen Geflüchteten und BerlinerInnen.

„Thema Nummer eins ist die Wohnungssuche“, erzählt Wadad Chaer, die gemeinsam mit ihren KollegInnen Rebea Malik, Mahwash Bestvater, Monika Homschak, Pierre Tegouff und Thomas Fertig das Projekt abwechselnd betreut. Jeden Freitag von 13 bis 15:30 Uhr kommen etwa zehn bis 20 BewohnerInnen im Erdgeschoss der Gemeinschaftsunterkunft zusammen. „Es kommen vor allem Vereine und Organisationen, die wir einladen, und jene Anwohner, die sich hier engagieren. Wir verteilen Handzettel und überlegen, wie wir das Café noch bekannter machen können“, erklärt Thomas Fertig, Leiter des Projekts „Wir & Ihr“. So kommt zum Beispiel regelmäßig eine ältere Dame aus der Nachbarschaft, die eigentlich für die Frauen aus der Unterkunft einen Strickkurs geben wollte. Statt zu stricken wurde eine raumhohe Patchworkwand künstlerisch gestaltet, auf der die BewohnerInnen ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und Zukunftswünsche ausdrückten: „Mein Mann sucht Arbeit.“ „Ich suche eine Wohnung, bitte helfen Sie mir!“ „Ich wünsche Leben ohne Krieg.“ „Ich möchte meine Eltern wiedersehen.“ „Ich will deutsche Papiere.“ „Ein friedliches Leben.“ „Ein normales Leben.“ „Ich vermisse meine Tochter.“

 

Besonders wichtig sind die Sprachkompetenzen der ProjektmitarbeiterInnen. Auf Arabisch, Farsi, Dari, Englisch und Französisch können die „Café-BegleiterInnen“ sich mit den BesucherInnen unterhalten und so bei Problemen im Asylverfahren, bei der Suche nach Sprachkursen, Wohnung und Arbeit unterstützen. Rebea Malik erzählt: „Viele der Geflüchteten können kein Wort Deutsch und einige haben nie Lesen oder Schreiben gelernt. Da ist es wichtig, dass wir ihre Sprache können. Ich betreue ein hinduistisches Ehepaar aus Afghanistan, die durch die Taliban ihre Töchter verloren haben. Ich begleite sie überall hin und bin für sie mittlerweile wie eine Tochter. Sie schicken mir Sprachmemos, da beide nicht schreiben können. Ich nenne sie Tante und Onkel. Wir begegnen uns hier auf sehr persönlicher Ebene. Viele brauchen Zeit, bis sie Vertrauen fassen. Da ist das Begegnungscafé ein wichtiger Anknüpfungspunkt. Wir schlichten auch schon mal Streitigkeiten zwischen den BewohnerInnen. Hier wohnen ja an die 400 Menschen, davon ein Viertel Kinder. Die unterschiedlichsten Kulturen treffen auf engstem Raum aufeinander: Nordafrika, Syrien, Irak, Pakistan, Afghanistan und Libanon. Viele haben Schreckliches erlebt.“

Weitere Infos zum Projekt "Wir & Ihr": ibas.berlin/wirundihr.html

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