Kita ist nicht Schule! Hier darf uns soll gespielt werden. Foto: Pfefferwerk Stadtkultur

Petra Drabandt & Martina Giese Kita Eltern Wissenschaft Fachöffentlichkeit & Politik
Montag, 04. Juni 2018
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Petra Drabandt & Martina Giese Kita Eltern Wissenschaft Fachöffentlichkeit & Politik

Heute wieder nur gespielt?

Diese, etwas vorwurfsvoll gemeinte, Frage von Eltern beschäftigte uns sehr. Dabei ist das Spiel die Haupttätigkeit eines Kindes und bildet die Grundlage für das lebenslange Lernen der Kinder!

Die Eltern haben meist nicht im Blick, dass die frühkindlichen Lernprozesse in einer Kita anders verlaufen als in der Schule. Wir hingegen hatten bei der Analyse unseres Tagesablaufes erkannt, dass den Kindern in unserer Kita »Die kleinen Entdecker« eigentlich zu wenig Zeit zum freien und selbstbestimmten Spiel zur Verfügung steht.

Der Tagesablauf war oft zu starr durch die Pädagog/innen geplant und Inhalte vorgegeben. Viele Kinder kommen sehr spät und zu verschiedenen Zeiten, wodurch die Spielmöglichkeit nur in kurzen Abschnitten möglich ist. Hinzu kommt, dass  die Rahmenbedingungen, wie feste Essenzeiten, eingehalten werden müssen.

Wir standen also vor der Herausforderung, die Bedingungen so zu verändern, dass die Kinder ihrem Grundbedürfnis im vollen Umfang nachgehen können. Außerdem war uns wichtig, vorhandene Spielsachen bewusster und mit den Kindern gemeinsam auszuwählen.

Diskussion und Kommunikation

In einer thematischen Elternversammlung sprachen wir mit den Eltern über die Bedeutung des Spiels für die Entwicklung von Lernprozessen. Sie waren erstaunt, als sie hörten, dass ein Kind nach neuesten Studien bis zum sechsten Lebensjahr ca. 15.000 Stunden gespielt haben sollte. Das entspricht etwa sieben bis acht Stunden täglich.

Die Diskussion mit den Eltern nahmen wir zum Anlass, uns noch intensiver mit dem Thema zu beschäftigen. Auf einem Fachtag arbeiteten wir Fragestellungen für unsere pädagogische Arbeit heraus:

  • Wann sind wir als Pädagog/innen Spielbegleiter/innen, wann Mitspieler/innen, wann Spielpartner/innen und wann als Beobachter/innen gefragt?
  • Wie gelingt es uns, durch ständige Beobachtung auf veränderte aktuelle Bedürfnisse der Kinder im Spiel einzugehen und die Raumgestaltung sowie die Materialauswahl der Kinder mit ihnen anzupassen?
  • Wie schaffen wir es, aus der Beobachtung einzelner Kinder und der gesamten Kindergruppe aktuelle Lebensthemen abzuleiten und auf deren Grundlage die pädagogische Arbeit der Kinder zu planen?


Spielzeug vs. Überflutung

Impulse holten wir uns bei einem Besuch der Ludothek des Vereins Fördern durch Spielmittel in Prenzlauer Berg, wo wir uns mit der Bedeutung der Nachhaltigkeit und Ressourcenorientierung im kindlichen Spiel beschäftigten. Wir konnten selbst viele Spielmaterialien aus Alltagsutensilien herstellen. Nach diesem Tag waren wir uns einig, dass es nicht in erster Linie darum geht, auf jegliches Spielmaterial zu  verzichten, sondern vor allem darum, die vorhandenen Spielsachen genauer auszuwählen. Damit wollen wir der kindlichen Überflutung mit Fertigspielzeug begegnen und die Kinder sollen stattdessen erfahren, welche Möglichkeiten sie haben, selbst allumfassend kreativ zu sein.

Außerdem haben wir die Angebotspädagogik stark reduziert, Räume und Materialien überprüft und dafür das Spiel in den Mittelpunkt gestellt. Die Kinder können nun mehr selbst bestimmen, wie lange, was und wo sie ihr Spiel gestalten. Die pädagogischen Fachkräfte sind sich ihrer Rolle und Aufgaben im freien Spiel bewusst. Durch eine veränderte Tagesdokumentation ist es uns auch gelungen, Lernprozesse, die im Spiel stattfinden, zu verdeutlichen.

Wir wissen, dass noch einiges zu tun ist, wir aber auch auf erste Erfolge zurückblicken können. Besonders stolz sind wir darauf, dass es uns gelungen ist, Eltern für diese  Thematik zu sensibilisieren. »Heute wieder nur gespielt!«


Autorin:

Petra Drabandt, stv. Kita-Leiterin & Martina Giese, Kita-Leiterin | Kontakt: entdecker(at)pfefferwerk.de

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