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Norbert Struck
Norbert Struck Blick über Berlin hinaus Hilfen zur Erziehung Wissenschaft Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag
Dienstag, 21. November 2017
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Norbert Struck Blick über Berlin hinaus Hilfen zur Erziehung Wissenschaft Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag

Es gibt keine neue „Politik der Heimeinweisung"

Ein Kommentar zur aktuellen Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes "Jugendämter leiten immer häufiger Heimerziehung ein"

Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes (DESTATIS) Nr. 420 vom 20.11.2017: Jugendämter leiten immer häufiger Heimerziehung ein

WIESBADEN – Für 53 300 Kinder oder Jugendliche in Deutschland haben die Jugendämter im Jahr 2016 eine Erziehung in einem Heim oder in einer anderen betreuten Wohnform eingeleitet. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum heutigen Internationalen Tag der Kinderrechte mitteilt, waren das 20 % mehr neue Heimerziehungen als im Vorjahr. Im Vergleich zu 2014 betrug der Zuwachs sogar 50 %.

Besonders stark war der Anstieg in der Altersgruppe der männlichen 16- und 17-Jährigen: Hier hat sich die Zahl der begonnenen Heimerziehungen von 7 000 im Jahr 2014 über 14 400 im Jahr 2015 auf 21 600 mehr als verdreifacht. Damit stellten diese Altersjahrgänge mehr als die Hälfte (57 %) aller begonnenen Hilfen für Jungen und junge Männer. Ein Grund für das Plus dürfte die hohe Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge der letzten Jahre sein.

Kinder, die zu ihrem eigenen Schutz oder aufgrund widriger Umstände nicht mehr in der Familie versorgt werden können, haben nach Artikel 20 der UN-Kinderrechtskonvention einen Anspruch auf staatlichen Schutz und Beistand. Dazu zählt auch die Sicherstellung ihrer Betreuung in Heimen oder anderen Wohnformen. Nach Artikel 22 der Konvention gilt dies gleichermaßen für Flüchtlingskinder, die von der Familie getrennt leben.

Kommentar: Die Zahl der jungen Flüchtlinge, die auf Schutz und Unterstützung in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe angewiesen sind, sind nicht „ein“ Grund für die gestiegenen Zahlen, sondern offensichtlich „der“ Grund hierfür. Es gibt keine neue „Politik der Heimeinweisung“ seitens der Jugendämter, sondern eine veränderte Situation aufgrund der Unterbringungsnotwendigkeiten für junge Geflüchtete.

Als Indikator für das Ansteigen dieser Gruppe kann die Zahl derer genommen werden, in deren Familie nicht vorrangig Deutsch gesprochen wird. Das Anwachsen der Heimunterbringungen zwischen 2014 und 2016 betrug in dieser Gruppe 24.030 Unterbringungen, während die Gesamtzahl der Unterbringungen in dieser Zeit lediglich um 22.045 anwuchs.

 

Norbert Struck ist Jugendhilfereferent beim Paritätischen Gesamtverband.

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