Abschlusspräsentation des Vivantes-Projektes/ Foto: Britta Niehaus

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Dienstag, 31. Oktober 2017
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Kinder- und Jugendpsychiatrie von Vivantes im Kinderzirkus

Ausprobieren, Scheitern und Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten fassen

14 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen sieben und achtzehn Jahren der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie haben zwei ganz besondere Sommerferienwochen verbracht. Gemeinsam mit professionellen Trainerinnen und Trainern des Kinder- und Jugendzirkus Cabuwazi Treptow haben die Kids Herausforderungen gemeistert: Stelzenlaufen, Seilspringen, Kugellauf, Drahtseil, Breakdance, Luftakrobatik, Diabolo, Ballkoordinationsübungen und Clownerie in einem echten Zirkuszelt. Hinter der positiven Gruppenerfahrung und dem Gefühl des »Ich kann das!« treten die Diagnosen und Störungsbilder wie emotionale, hyperkinetische Beeinträchtigungen und Probleme des Sozialverhaltens in den Hintergrund.

Endlich ist es soweit, die einzelnen Nummern fügen sich zu einem runden Ganzen zusammen – die Trainerinnen atmen auf, es klappt. Darüber freut sich die neunjährige Lilly ganz besonders. Sie hüpft von einem Bein aufs andere und ruft: »Ich bin gleich dran, guck mal, da balanciere ich gleich auf dem Seil!« Das gemeinsame positive Erlebnis einer zusammen auf die Beine gestellten Zirkusshow zaubert allen Lächeln in die Gesichter. »Nico ist richtig fröhlich, er geht total aus sich raus, wenn er von seinem Lauf auf der großen Kugel im Zirkus erzählt«, sagt sein Vater. Wenn die Kinder und Jugendlichen in ihre Familien zurückkehren, berichten sie von ihren spannenden Erfahrungen, die sie auf dem Zirkusgelände und im Training machen.

»Ausprobieren, Scheitern und langsam Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten fassen und ganz besonders dieser intensive Gruppenprozess sind ganz elementare Erfahrungen auf ihrem Weg der Genesung«, sagt die begleitende Psychologin der Vivantes Tagesklinik. »Für mich ist dieses Projekt genau das, was ich in meiner Arbeit als Kinder- und Jugendtherapeutin machen möchte. Die einzigartige Offenheit des Gegenstands Zirkus ermöglicht die Ergänzung durch andere Künste wie Theater, Tanz, Musik und viel Spielraum für Variation und Veränderung. Die Kreativität wird über den Körper sinnlich erlebt und kann sich im kreativen Spiel mit den Zirkuskünsten und deren Interpretation weiterentwickeln«, stellt Britta Niehaus, aktive Kinder und Jugendpsychotherapeutin in Ausbildung und Leiterin des Cabuwazi in Treptow, fest.

In dem besonderen Konzept der Zirkustherapie werden motorische Kompetenzen wie Koordination, Balance, Geschicklichkeit und die Steigerung des Gleichgewichtssinns gefördert, wobei im Mittelpunkt die Bewegung selbst und nicht ein Vergleich von Leistungen steht. Durch diese Dimension kann die Wahrnehmung des eigenen Körpers gestärkt und eine veränderte Beziehung zu ihm aufgebaut werden. Soziale Kompetenzen werden trainiert, denn das gemeinsame Arbeiten der Kinder auf eine Aufführung hin und die damit verbundenen Gemeinschaftserlebnisse regen vielfältige soziale Lernprozesse an. Die ästhetisch-künstlerische Dimension spiegelt sich in den artistischen Disziplinen, für die Ästhetik ein zentrales Kennzeichen ist, aber auch in der künstlerischen Gestaltung von Szenen und Programmen wider.

Langsam gehen die zwei Zirkuswochen zu Ende, die große Abschlussshow berührt das Publikum sehr. Der Applaus stärkt die Kids. Mittlerweile sind die Kinder und Jugendlichen in ihren Klinikalltag und ihre Familien zurückgekehrt. Was bleibt, sind diese einzigartigen Erfahrungen, die sie ganz persönlich gemacht haben. Und das Gefühl, etwas geschafft zu haben, sich auf einer Bühne präsentiert und gezeigt zu haben. »Das war nicht das letzte Ferienprojekt im Zirkus«, verrät Britta Niehaus. Spannend, worauf sich die Vivantes Kids wohl als nächstes freuen dürfen.

 

Britta Niehaus, Leiterin CABUWAZI - Standort Treptow-Köpenick.

 

Wissenswertes Cabuwazi ist einer der größten Kinder- und Jugendzirkusse in Europa; in Berlin gibt es fünf verschiedene Standorte in unterschiedlichen Berliner Bezirken. Im Mittelpunkt stehen die positiven Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen in vielen unterschiedlichen zirzensischen Disziplinen machen. Mehr unter: www.cabuwazi.de

 

Der Beitrag ist zuerst im Paritätischen Rundbrief September 2017 erschienen.

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