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Dienstag, 10. Oktober 2017
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Notruf per E-Mail

Bei JugendNotmail finden Jugendliche mit Problemen Hilfe #TagderseelischenGesundheit

„Ich bin fast 16 und ritze mich schon seit einem Jahr. Ich habe keinen, dem ich so was anvertrauen könnte - nicht mal mehr meinen Eltern. Für die bin ich eh eine Versagerin.“ Das ist einer von über 106.000 Hilferufen, die in den letzten 16 Jahren an JugendNotmail geschrieben wurden. Lisa Tammena ist Psychologin und arbeitet ehrenamtlich als Online-Beraterin. Täglich erhält sie Notmails von Jugendlichen in verzweifelten Lebenssituationen. Dabei geht es um Selbstverletzung, Familienprobleme, Depressionen, Essstörungen, Suizidgedanken und viele andere Probleme. Zusammen mit den Ratsuchenden erarbeitet sie individuelle Lösungen. Sie „hört“ ihnen zu, bietet Hilfe zur Selbsthilfe und stärkt sie in ihrer Lebenssituation. „Es tut gut zu wissen, dass sich jemand um mich Sorgen macht. Ich fühle mich nicht mehr so alleine. Danke. Durch Dich habe ich irgendwie so etwas wie Hoffnung gekriegt. Auch wenn ich Angst habe, alle diese Schritte zu gehen, will ich darum kämpfen.“

Mails wie diese zeigen, dass die klassischen Unterstützungsangebote wie Sorgentelefon, ambulante Beratungsstellen und medizinisch-psychologische Fachexperten nur von einem Teil der Kinder und Jugendlichen in seelischen Krisen erreicht werden. Zusätzlich sinnvoll sind weitere professionelle, angemessene und niedrigschwellige Unterstützungsstrukturen, die den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht werden. Dazu zählen der Abbau von Hemmschwellen durch lebensweltnahe, flexible und anonyme Beratung sowie gezielte Informationen der bestehenden Unterstützungsstrukturen und Zugangsmöglichkeiten.

JugendNotmail bietet hier erfolgreich einen Beratungsansatz, der den virtuellen Raum als zusätzliche Option für eine Beratung öffnet. Seit das Projekt 2001 vom Verein jungundjetzt e.V. ins Leben gerufen wurde, sind die Notruf-Eingänge stetig gestiegen. Rund 100 Fachkräfte aus den Bereichen Psychologie und Sozialpädagogik beraten ehrenamtlich zu Themen wie Depression, Selbstverletzung, Suizidgedanken, Gewalt, Mobbing, Missbrauch, familiäre Probleme, Essstörungen etc.. Während sich 2006 noch 580 neue Ratsuchende angemeldet haben, waren es 2016 bereits 3.000. Die Zunahme erklärt sich durch das geänderte Kommunikationsverhalten der Kinder und Jugendlichen. Das Medium Internet bietet den jungen Menschen heutzutage einen virtuellen Raum, in dem sie sich aufhalten und kommunizieren. Während 2010 nur 14 Prozent der 12- bis 19-Jährigen ein eigenes Smartphone hatten, besitzen heute 98 Prozent ein solches und nahezu alle Smartphones der Jugendlichen sind internetfähig.

Claudine Krause, Gründerin und 1. Vorsitzende des Vereins jungundjetzt e.V. dazu: „Unser Angebot entspricht der Lebenswelt und dem Kommunikationsverhalten Jugendlicher und dockt in einem hohen Maße an ihren Bedürfnissen und Erwartungen an.“ Dabei ersetzt JugendNotmail nicht klassische Zugänge und Angebote, sondern fungiert als Mittler zwischen Jugendhilfe, Schule und Gesundheitswesen. Die Online-Beratung ersetzt keine Therapie, sondern vermittelt bei schwerwiegenden Problemen an kompetente Beratungsstellen weiter. Claudine Krause weiter: „Mit unserem bedarfs- und zielgruppenorientierten Angebot JugendNotmail schließen wir die Lücke im notwendigen Versorgungsnetz.

Amelie Schwierholz, JugendNotmail

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