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Andreas Schulz
Andreas Schulz Sozialpädagogische Familienhilfe Hilfen zur Erziehung Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag
Donnerstag, 18. Mai 2017
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Andreas Schulz Sozialpädagogische Familienhilfe Hilfen zur Erziehung Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag

#paritaetfamilie: Ein Tag mit der Sozialpäd. Familienhilfe

Einblicke zum Internationalen Tag der Familie (15.05.)

Im Rahmen unserer Social Media-Aktion #paritaetfamilie am 15.05. haben wir auch Mitgliedsorganisation gebeten über den Alltag bzw. Tagesablauf von Familienhelfern zu berichten.

Auf Twtter sind Familie und Beratung e.V. FAB (@FABSchbg) und tandem BTL (@tandemBTL) der Bitte gefolgt. Das ist spannend zu verfolgen.

Per E-Mail erreichten uns zwei weitere Zusammenstellungen, die wir gerne hier wiedergeben. Die Abläufe sind fiktiv und basieren gleichzeitig auf täglichen Erfahrungen/Abläufe. Aus Datenschutzgründen werden keine Bezirke und keine Familien genannt.  

• Kollegin N. startet um 07:15 Uhr mit einem E-Mail- und Handycheck / sind Termine abgesagt oder noch nicht bestätigt?

• 07:30 Uhr Warten auf die S-Bahn: die kommt heute auffallend pünktlich, sehr schön - guter Start in den Tag!

• 08:00 - 09:15 Uhr Begleitung zum Jobcenter: Antrag auf ALG II und Klärung der finanzielle Unterstützung, Wartezeit für Elterngespräch genutzt, alles auf Vietnamesisch

• 09:30 Uhr Fahrt zum nächsten Termin wg. einer Begleitung zu einer Kita / unterwegs Handycheck, Telefonat mit Kollegen

• 10:00 - 11:30 Uhr Begleitung zur Kita: Entwicklungsgespräch mit Erzieherin und Eltern, danach kurze Nachbereitung und weitere Verabredungen

• 12:00 - 12:30 Uhr Dokumentation des Gespräches unter erschwerten Bedingungen, die Tram ist rappelvoll!

• 12:30 - 12:45 Uhr kurze Pause und Handycheck, Telefonat mit einem Jugendamt

• 13:00 - 14:15 Uhr Begleitung zum SPZ (Sozialpädriatisches Zentrum) zur Entwicklungsdiagnose eines Kindes, Übersetzungshilfe und Erläuterungen

• 14:15 - 15:00 Uhr Fahrt zu einem Hausbesuch mit Dokumentation des Gespräches im SPZ, die Tram ist noch voller als vorhin,

• 15:00 - 17:00 Uhr Hausbesuch in weiterer Familie / Gespräch über Familienleben, Schule und Freizeitgestaltung

• 17:15 - 18:00 Uhr Pause mit Büroarbeit: Dokumentation, Telefonate, Terminvereinbarung etc.

• 18:15 - 19:00 Uhr Fahrt mit der S-Bahn an das andere Ende der Stadt, sehr ruhig, sehr entspannt: die U-Bahn ist sehr leer

• 19:00 - 19:45 Uhr Elterngespräch mit einer sehr engagierten Klassenlehrerin und einem Elternteil / Übersetzungshilfe und Vermittlung

• 19:00 Uhr Fahrt nach hause; Feierabend! Feierabend? schnell noch in den nächsten Supermarkt und das Abendessen einkaufen...

• 20:30 Uhr noch 2 Nachrichten gehen ein wg. Termin am nächsten Tag. Diensthandy aus!

________________________________________

8.30 Uhr: Ich bin mit Frau P. im Jobcenter verabredet. Es geht um die Klärung der bereits zweiten Sanktion der Bezüge, da Frau P. bereits mehrere Termine beim Jobcenter nicht wahrgenommen hat.

8.50 Uhr: Frau P. ist noch immer nicht erschienen. Ich versuche sie auf dem Telefon zu erreichen – vergeblich.

9.05 Uhr: Nach weiteren 15 Minuten Warten und einem weiteren vergeblichen Anruf, breche ich den Termin ab. Auf dem Weg ins Büro mache ich mir Gedanken darüber, inwieweit Frau P. mit weiterer Sanktionierung der bereits um 20% gesenkten Bezüge überhaupt noch den Lebensunterhalt mit Ihrem Sohn bestreiten soll.

9.30 Uhr: Ich nutze die Zeit bis zum nächsten Termin für die Dokumentation in den Akten.

11.00 Uhr: Nächster Termin mit einer alleinerziehenden Mutter.

11.15 Uhr: Frau A. erscheint am vereinbarten Treffpunkt. Frau A. hat eine sechsjährige Tochter, keinerlei soziale Ressourcen und arbeitet im Bereich der Erwachsenenunterhaltung. Bei diesem Termin geht es erneut um die nur unregelmäßigen Schulbesuche Ihrer Tochter. Ich habe die Vermutung, dass aufgrund der Tätigkeit der Mutter, welche zumeist abends bzw. nachts ausgeführt wird, Frau A. Probleme damit hat, am nächsten Morgen Ihre Tochter zur Schule zu bringen. Frau A. schildert, dass Sie mit der Betreuung Ihrer Tochter überfordert ist und über die Möglichkeit einer Kurzzeitpflege nachdenkt.

11.35 Uhr: Das Telefon klingelt. Frau P. ist nun ausgeschlafen. Sie scheint sich keinerlei Sorgen über mögliche weitere Sanktionen zu machen.

13.00 Uhr: Ich verabschiede mich von Frau A. und wir vereinbaren, dass ich bzgl. der Kurzzeitpflege einen gemeinsamen Termin beim Jugendamt mache.

13.30 Uhr: Auf dem Weg zum nächsten Termin versuche ich vergeblich, jemanden beim Jugendamt bzgl. des Termins zu erreichen. Leider geht nur der Anrufbeantworter an das Telefon. Ich treffe bei meiner nächsten Klientin ein. Frau M. ist diagnostizierte ‚Borderlinerin‘ und alleinerziehende Mutter von vier Kindern. Frau M. ist heute sehr redselig und es fällt mir schwer, aus ihrem Monolog einen produktiven Dialog zu machen.

15.00 Uhr: Auf dem Weg zu meinem nächsten Termin habe ich Zeit für eine kurze Pause.

15.30 Uhr: Ich treffe mich mit der Dolmetscherin vor der Wohnung meiner nächsten betreuten Familie. Diese kommt aus Rumänien, hat eine zweijährige Tochter und die Eltern sprechen kein Wort Deutsch.

17.00 Uhr: Mein letzter Termin des Tages ist beim Jugendamt: Eine Hilfekonferenz bzgl. einer Verlängerung einer laufenden Familienhilfe.

18.00 Uhr: Ich mache mich auf den Weg nach Hause.

 

Der Dank gilt den Organisationen, die diese Zusammenstellungen getätigt haben. Und der Dank geht an die zahlreichen Familienhelferinnen und -helfer, die tagtäglich in Berlin so und ähnlich im Ensatz für Familien und ihre Kinder sind. Meist im Stillen arbeiten, wertvolle Arbeit verrichten und zum sozialen Leben und Frieden in unserer Stadt beitragen.

 

Andreas Schulz ist Jugendhilfereferent beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin.

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