Das Elterncafé der Konrad Agahd Schule/ Foto: tandem BTL

Barbara Brecht-Hadraschek
Barbara Brecht-Hadraschek Neukölln Schulbezogene Jugendhilfe Jugendsozialarbeit Eltern Fachöffentlichkeit & Politik
Montag, 15. Mai 2017
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Barbara Brecht-Hadraschek Neukölln Schulbezogene Jugendhilfe Jugendsozialarbeit Eltern Fachöffentlichkeit & Politik

#paritaetfamilie: „Konrads Insel“ - Elterncafé an der K.-Agahd-Schule

Zu Besuch im Elterncafé an der Konrad-Agahd-Schule

Das Elterncafé an der Konrad Agahd-Schule in Neukölln gibt es mittlerweile seit mehr als elf Jahren. Jeden Dienstag und Freitag zwischen acht und zehn Uhr treffen sich hier vor allem Mütter, um sich auszutauschen und sich über unterschiedlichste Themen zu informieren. Kaffee, Tee und ein reichhaltiges Frühstück in gemütlicher Atmosphäre inklusive.

Freitagmorgens, kurz vor acht Uhr. Gemeinsam bereiten einige Mütter für die Kinder Brötchen für die Hofpause zu. Nach und nach trudeln weitere Frauen ein und setzen sich an die große, gedeckte Tafel, die aus mehreren Kiefernholztischen zusammengestellt ist. Es ist ein buntes Treiben. Das Café ist Begegnungsort und auch Schnittstelle für zahlreiche Projekte in und außerhalb der Schule, weshalb die unterschiedlichsten Menschen hier zusammen sitzen und plaudern: Neben den Müttern sind das Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen und Projektmitarbeiter*innen aus der Nachbarschaft. Später kommt auch die Schulleiterin für einen kurzen Gruß ins Café und einige Lehrer*innen schauen in der Hofpause vorbei.

Diesen Freitag sind außerdem zwei Vertreter*innen vom Quartiersmanagement zu Besuch, die zu einem Kiezspaziergang „Sicher zur Schule“ im Körnerkiez einladen. Schnell entspannt sich eine angeregte Diskussion, welche Straßenübergänge gefährlich auf dem Schulweg sind und wo die Autos besonders rasen. Seda Dziamski-Ceylan hört nicht nur aufmerksam zu, sondern diskutiert angeregt mit. Seit acht Monaten ist sie stellvertretende Gesamtelternvertreterin und kommt regelmäßig zum Elternfrühstück. „Eigentlich bin ich eher zufällig dazu gestoßen, fand es aber wichtig, mich zu engagieren. Auch für meine Kinder. Wie heißt es so schön? Nicht nur meckern, sondern mitarbeiten und mitgestalten.“ Das Café ist ihr wichtig für die Elternarbeit, auch wenn sie gerne noch mehr Eltern damit ansprechen würde. „Denn hier finden die Eltern Menschen, denen man sich gut anvertrauen kann. Wir als Elternvertreterinnen stehen mit Rat und Tat zur Seite, aber natürlich auch die Schulsozialarbeiter*innen hier. Die sind wirklich nett und cool.“

Viele interessante Themen und Austausch im Kiez

Seit mittlerweile fünf Jahren ist das Elterncafé ein lebendiges Kooperationsprojekt zwischen AspE e.V und der tandem BTL. Kevser Elicekli vom AspE e.V. organisiert die Einladungen der Fachleute und Stadtteilmütter und stellt gemeinsam mit den Pädagog*innen der tandem-Schulstation das Programm zusammen. Basteln und Kreativzeit gehören genauso dazu wie die Informationsvormittage zu Themen wie Depression, Übergewicht, Erziehung, Verkehrssicherheit im Kiez uvm. Dazu kommen dann Fachleute wie Heilpraktiker*innen, Frauenärzt*innen und Psycholog*innen, aber auch die Stadtteilmütter zu Besuch, die Fragen beantworten, beraten und informieren. „Wir arbeiten ganz eng mit dem Quartiersmanagement zusammen, aber auch mit dem Nachbarschaftsheim und den Stadtteilmütter, wenn es um Information und Austausch geht“ erzählt Kevser Elicekli. „Das Café ist auch so erfolgreich, weil wir immer so interessante Themen haben,“ ergänzt Kerstin Brade aus der Schulstation der tandem BTL. Nachmittags wird auch regelmäßig zusammen mit Eltern und Kindern gekocht, daraus entstand sogar ein Kochbuch mit den Lieblingsrezepten der Elterncafé-Mütter.

Kerstin Brade hat noch die Anfänge erlebt, als das Elternfrühstück provisorisch in den Räumen der Schulstation stattfinden musste. „2013 war die Eröffnung der neuen Räume, die ehemalige Hausmeisterwohnung. Hier entstand eine Küche und auch ein wunderschöner Raum für das Elterncafé“ erinnert sie sich. „Die Eltern haben das Elterncafé mit viel Liebe selbst eingerichtet. Sie haben die Möbel ausgesucht und wir haben hier alles zusammengeschraubt und aufgebaut.“

„Wir sind einerseits Bindeglied zur Schule, beraten aber auch inhaltlich. Einer von uns ist immer dabei, wenn zum Frühstück geöffnet ist,“ beschreibt Kerstin Brade die Rolle der Schulsozialarbeit im Café. Timo Kahe, Kerstin Brade und Torsten Latendorf wechseln sich hier ab, und haben, gemeinsam mit Kevser Elicekli und den Elternvertreterinnen, ein offenes Ohr für alle Eltern – und natürlich die Kinder. Kerstin Brade betont, wie wichtig diese Institution für den Dialog zwischen Schule und Eltern ist: „Die Eltern kommen dann nicht an die Schule, weil es Stress wegen des Kindes gibt, sondern einfach mal so. Das bringt auch einen anderen Blick auf Schule.“

Eine Brücke zwischen Schule und Familien

Auch die beiden Gesamtelternvertreterinnen Seda Dziamski-Ceylan und Fatma Gül sind immer dabei, motivieren andere Eltern zum Besuch, hören sich Sorgen und Nöte an und sind engagierte Schnittstelle zwischen Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen und Eltern. Beide eint die eigene Erfahrung von Ausgrenzung durch Schüler und Lehrer an Berliner Schulen. Deshalb wollen sie ihren Kindern den Rücken stärken und für andere da sein. „Es ist ein Geben und Nehmen“ erklärt Fatma Gül, die seit gut 5 Jahren eine konstante Größe im Elterncafé ist. „ Hier im Café kann man die Probleme auch mal anders angehen, denn es geht nicht um die Autorität der Schule. Das ist für viele Eltern und auch die Kinder ganz wichtig. Auch andere Kinder kommen eher zu mir, wenn sie mal Probleme haben, und gehen nicht gleich zu den Lehrern. Ich engagiere mich auch, weil ich meinen Kindern den Rücken stärken will, so kann ich viel besser in den Austausch mit den Lehrern gehen. Und es macht die Kinder auch stolz, wenn die Eltern in der Schule sind.“

 

Elterncafés an Schulen: Orte für Begegnung, Austausch und Beratung

Bei tandem BTL ist der Betrieb von Elterncafés an neun Schulen fester Bestandteil der Elternarbeit. Hier gibt es Raum zum Austausch untereinander, und es finden Informationsveranstaltungen rund um Schule, Erziehung, Kultur und Sozialraum statt. Die offenen Treffs laden zum Reden ein, bieten Unterstützung und Beratung in schulischen und familiären Fragen und binden Eltern stärker in den Schulalltag ein. Elterncafés gibt es zum Beispiel an der Röntgen-Schule, der Konrad Agahd Schule, der Hans-Fallada Schule, der Karlsgarten Schule, der Lina Morgenstern Schule, der Steinwald Schule, der Wedding Grundschule, der Leo-Lionni-Grundschule und der Möwenseegrundschule.

 

Barbara Brecht-Hadraschek ist Koordinatorin Öffentlichkeitsarbeit – interne und externe Kommunikation bei tandem BTL.

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