Kinderfest in der JVA/ Foto: Fördern durch Spielmittel e.V.

Irina Meyer
Irina Meyer Eltern Fachöffentlichkeit & Politik
Montag, 15. Mai 2017
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Irina Meyer Eltern Fachöffentlichkeit & Politik

#paritaetfamilie: Unschuldig mitbestraft

Familien von Inhaftierten besser unterstützen!

Familien, die von der Inhaftierung eines ihrer Mitglieder betroffen sind, bilden eine nahezu unsichtbare Gruppe. Sehr häufig geraten die Angehörigen in eine unerwartete und sehr schwierige Lebenssituation, die mit vielen Unsicherheiten verbunden ist. Wenn beispielsweise ein Verdienender wegfällt, sind die Familien mit wirtschaftlichen Nöten konfrontiert. Kinder leiden unter der Trennung von ihren Eltern, und sie werden aus Scham oder Unsicherheit oftmals über den wahren Aufenthaltsort ihres Vaters oder ihrer Mutter im Ungewissen gelassen.

Aus Sicht des Paritätischen Landesverbandes Berlin benötigen die Kinder und Angehörigen von Inhaftierten eine stärkere Lobby in Politik und Gesellschaft. Außerdem gibt es in Berlin noch nicht ausreichend Beratungs- und Unterstützungsangebote für die Betroffenen, damit sie diese schwierige Lebenssituation besser bewältigen können.

Mitgliedsorganisationen des Paritätischen Landesverbandes Berlin nehmen in Bezug auf Angebote für inhaftierte und haftentlassene Eltern und ihre Kinder eine Vorreiter-Rolle ein. Diese Angebote gilt es weiter zu entwickeln und auszubauen. Darüber hinaus müssen die folgenden Rahmenbedingungen geschaffen werden:

• Wir brauchen einen familienorientierten Justizvollzug. Berlin sollte dem Beispiel Schleswig-Holsteins folgen, das als erstes Bundesland die Förderung des Erhalts der familiären und sozialen Bindungen der Gefangenen in seinem Strafvollzugsgesetz verankert hat.

• Sicherheitsmaßnahmen dürfen keinen Vorrang gegenüber dem Recht des Kindes auf Umgang mit seinen Eltern haben. Primäres Anliegen muss das Kindeswohl unter Berücksichtigung des öffentlichen Sicherheitsinteresses sein.

• Freiheitsstrafen für Eltern minderjähriger Kinder müssen weitestgehend vermieden werden. Stattdessen soll stets nach Möglichkeiten alternativer Sanktionen (z.B. gemeinnützige Arbeit) gesucht werden.

• Bei Eltern mit minderjährigen Kindern ist im Falle einer unumgänglichen Freiheitsstrafe bei der Auswahl der Haftanstalt zu beachten, dass ein direkter Kontakt zwischen Kindern und Eltern während der Dauer der Inhaftierung aufrechterhalten werden kann.

• Möglichkeiten der Lockerung sind zu nutzen, um inhaftierten Eltern die Teilnahme an besonderen Ereignissen ihrer Kinder zu ermöglichen.

• In allen Berliner Gefängnissen werden Ansprechpartner für die Angehörigen von Inhaftierten benötigt.

• Die Familienorientierung sollte Bestandteil der Vollzugsplanung sein.

• Alle Haftanstalten sollten über kinder- und familienfreundliche Besuchsbereiche verfügen. Grundlage hierfür sollte die Einführung verbindlicher Mindeststandards sein – so wie es in Sachsen bereits der Fall ist. Zur Ausstattung sollten altersgerechte Spielmöglichkeiten sowie benötigtes Equipment wie Babykost-Wärmer und Wickelkommoden gehören.

• Die Mitarbeitenden der Justizvollzugsanstalten müssen für die Belange der Angehörigen sensibilisiert werden.

• In allen Berliner Haftanstalten sollten Elterngruppen angeboten werden.

• Es sollte nach Möglichkeiten des Erlebens „normaler“ familiärer Situationen für Kinder und ihre inhaftierten Eltern gesucht werden (z.B. gemeinsames Essen oder Erledigen von Hausaufgaben).

• Für Familienangehörige sollten erweiterte Besuchsmöglichkeiten geschaffen werden, ohne dass diese zusätzlichen Kontakte als „Anerkennung für gutes Verhalten“ der/des betreffenden Inhaftierten gewährt werden.

• Die Kommunikation zwischen Kindern und deren inhaftierten Eltern ist zu fördern, einschließlich der Möglichkeit für Kinder, ihre Eltern via Telefon, Videokonferenzen und Skype zu kontaktieren.

 

Irina Meyer ist beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin Referentin für Straffälligen- und Opferhilfe, Schuldner- und allgemeine Sozialberatung.

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