Geschwisterkinder lebensverkürzend erkrankter Kinder und verwaiste Geschwisterkinder verbringen gemeinsame Zeit. Foto: Tanja Kiwitt

Anne Beyer
Anne Beyer Jugendarbeit Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Projekt des Monats
Donnerstag, 28. Juli 2016
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Projekt des Monats Juli: Geschwisterklettern

Geschwisterkinder lebensverkürzend erkrankter Kinder und verwaiste Geschwisterkinder verbringen gemeinsame Zeit

Jeden Monat stellen wir in unserer Serie ein neues Projekt des Monats vor. Im Juli kürte das Redaktionsteam das Geschwisterklettern der Björn Schulz Stiftung zum Sieger.

Jeden Donnerstag außerhalb der Schulferien von 17 bis 19 Uhr klettern 15 bis 17 Kinder und Jugendliche zwischen fünf und 18 Jahren im DAV-Kletterzentrum in der Seydlitzstraße. Sie alle haben ein gemeinsames Schicksal: Ihre Geschwister sind lebensverkürzend erkrankt oder gestorben.

Foto: Björn Schulz Stiftung

Brüder und Schwestern haben oft ein enges, inniges Verhältnis zueinander, sind sich vertraut und können den Verlust oder eine schwere Krankheit des anderen nur schwer verarbeiten. Auch die Eltern können in dieser Situation – sind sie doch auch betroffen – nicht immer helfen. Die Kinder und Jugendlichen sind oft mit einem belastenden Alltag konfrontiert, in dem sie viel zurückstecken, wenig Aufmerksamkeit bekommen, aber trotzdem zur Schule gehen und „funktionieren“ müssen – und oft fehlen Verständnis und individuelle Hilfsangebote.

Foto: Björn Schulz Stiftung

In der Klettergruppe können die Kinder und Jugendlichen ihre Geschichten verarbeiten, oft fühlen sie sich hier besser verstanden als in der Gemeinschaft anderer. Gemeinsam beim Sport können sie ihr Selbstvertrauen stärken, Ängste und Stress abbauen, Zuwendung erfahren und ihre Geschichten jemandem erzählen, der Ähnliches erlebt hat. Beim Sport können die Kinder auch Erfolgserlebnisse machen, auf andere Gedanken kommen und gemeinsam Lachen. Gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften werden Gruppenspiele, Kooperations- und Vertrauensübungen durchgeführt zur Förderung von Bewegungsfähigkeit, Konzentration und Herstellung eines Gemeinschaftsgefühls. Das betreute Klettern fördert Vertrauen, den Umgang mit den eigenen Grenzen und Angst und die Wahrnehmung der eigenen Leistungsfähigkeit. Durch die regelmäßigen Treffen bauen die Kinder und Jugendlichen Vertrauen zueinander und zu den psychosozialen Fachkräften auf – eine wichtige Grundlage, um auch über tiefergehende Erlebnisse und Gefühle sprechen zu können. Die Klettertrainer des DAV bringen den Kindern und Jugendlichen wichtige sportliche Techniken bei, achten auf Sicherheit und weisen auf individuelle Erfolge und Herausforderungen hin.

 

„Im Juli waren wir mit neun Kindern erstmalig in Franken am Felsen“, erzählt Tanja Kiwitt, Psychologin und Leiterin des Projekts. „Das Ganze war ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung und des DAVs. Der DAV kooperiert seit Beginn des Geschwisterkletterns total toll mit uns, es ist super unkompliziert und sie kommen uns bei allem was wir so vor haben entgegen. Einige der DAV-Trainer begleiten uns jetzt schon seit 1,5 Jahren und haben auch schon Beziehungen zu den Kindern aufgebaut. Während des Kletterwochenendes haben wir in Stierberg im Landgasthof Fischer übernachtet – ein Teil der Gruppe im Bettenlager, der andere Teil draußen im Zelt. Unsere in Franken sehr erfahrenen Klettertrainer haben uns für beide Tage tolle Felsen herausgesucht und Routen vorbereitet, bei denen alle Teilnehmer auf ihre Kosten kamen. Am Samstag ging es erst einmal darum, den Fels "zu beschnuppern" und in vier bis 15 Metern Höhe zu testen, ob sich die eigenen Kletterfähigkeiten draußen bewähren. Am Sonntag konnten dann alle, die sich trauen, eine 30 Meter lange Wand erklimmen – als Belohnung winkte eine grandiose Aussicht über das hügelige Franken. Neben dem Klettern haben wir auch gemeinsam gekocht, uns massiert, Quatsch gemacht, ganz viel erzählt, Lagerfeuer mit Stockbrot gemacht und Werwolf gespielt. Die Kids waren total begeistert, nächstes Jahr wollen wir wieder fahren, dann für vier Tage während der Pfingstferien.“

Foto: Björn Schulz Stiftung

 

 

Weitere Informationen:

Tanja Kiwitt 

Psychologin (M.Sc.)
Koordinatorin für Geschwisterangebote
Wilhelm-Wolff-Str. 38
13156 Berlin

Tel.: 030-398 998 37

www.bjoern-schulz-stiftung.de

 

 

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Beliebtheit: 0  Gabriele Ditsch - Vor 7 Monaten 1 Woche  · 

Danke für diese Angebot. Ich habe erst kürzlich mit einem Geschwisterkind geprochen über das erkrankte Geschwisterkind und darüber, wie diskriminierend das Wort "behindert" oft verwendet wird.
Diese Art Herausforderung kann sicherlich unterstützend
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sein im Aufbau von Selbstvertrauen, Willen und Gemeinschaftsgefühl und mehr.
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Beliebtheit: 0  Birgit Mack & Sylvia Vogel - Vor 7 Monaten 1 Woche  · 

Eine Hilfe, die direkt ankommt und den Kindern außerdem noch Spaß macht?
Das ist eine außergewöhnlich gelungene Aktion - weiter so!
Unsere Stimmen habt ihr!

Birgit und Sylvia
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