Szene aus dem Film „Wolfgang Hinte über Sozialraumorientierung“

Andreas Schulz
Andreas Schulz Sozialraumorientierung Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Stadtteilarbeit Qualifizierung & Fachlichkeit
Donnerstag, 22. Januar 2015
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Sozialraumorientierung kompakt!

Uwe Lamm im Interview zu seinem Film

Herr Lamm, was war der Grund, eine DVD über Sozialraumorientierung zu machen?

Ganz einfach, es gab bislang keine brauchbare DVD, die in verständlichen und präzisen Worten kurz und knapp beschreibt, was es mit der Sozialraumorientierung (SRO) auf sich hat.

Es ist im laufenden Jahrzehnt bereits soviel Schräges über SRO veröffentlicht worden, dass es an der Zeit war, das Wesentliche übersichtlich aufzuzeigen. Nicht auf Papier – auch wenn die Print-Zeiten noch nicht vorbei sind), sondern in kurzer Doku-Form – als seriöse Mini-Film-Produktion ohne Anspruch auf einen Oskar.

Im Film lassen sie ausschliesslich Prof. Dr. Hinte zu Wort kommen...

Ja, exakt, das war so von Beginn an beabsichtigt. Ich habe in den letzten Jahren vermehrt den Eindruck gewonnen, dass sehr viele Fachleute, sowohl im öffentlichen als auch im freien Jugendhilfebereich, Bescheid wissen über SRO und sich auch als Juristen und Ökonomen hervortun, was Bewertungen zur sozialräumlichen Arbeit angeht – insbesondere bei Fragestellungen zur Steuerung und Finanzierung. Das Fazit ist dann nicht selten, dass Sozialraumorientierung kein Modell der Zukunft sein kann.

Das sehe und erlebe ich in meiner täglichen Arbeit jedoch komplett anders. Um dies exakt zu beleuchten, brauchte es eine fachkundige Stimme: Wolfgang Hinte.

Im Wesentlichen beschreibt der Film Basics und grundsätzliches Know-how der SRO.  

Das Thema SRO betrifft Dutzende von Städten im gesamten deutschsprachigen Raum. Überall gibt es eigene Schwerpunkte. Natürlich hätte man auch speziell Berlin in den Blick nehmen können – dies hätte aber die Aufmerksamkeit für den Film sehr begrenzt. Dieser Film beschreibt die Essentials der SRO. Im Kern der SRO geht es um eine grundsätzliche Haltungsfrage: Helfen wir Menschen (noch) abhängig zu bleiben oder geht es tatsächlich um Aktivierung? Dies in den Mittelpunkt des Films zu stellen und nicht zu sehr regionale Bezüge, das war die Absicht.

Bei der Ausgestaltung dieser Kernfrage finden Politik, öffentliche und freie Träger übrigens sehr unterschiedliche Wege.

Und was nehmen Sie in Bezug auf Berlin wahr?

Was Berlin betrifft, nehme ich einen eingeschränkten Blick auf den öffentlichen Sektor und die Verantwortung wahr, wie es um die Sozialraumorientierung bestellt ist. Klar wurden nach der SRO-Einführung 2004 Möglichkeiten auf öffentlicher Seite verpasst, das Konzept stärker und nachhaltiger in den Bezirken zu verankern, aber ich kann eben auch immer weniger freie Trägervertreter_innen erkennen, die leidenschaftlich SRO einfordern, sich umstrukturiert haben und in der Lage sind, konsequenter und selbstverständlicher fallunspezifisch und -übergreifender zu agieren.

Als freier Träger der Jugendhilfe bin ich theoretisch in der Lage, in mehreren Bezirken/ Sozialräumen klassische Hilfeformen anzubieten und mich in der gesamten Region zu verbreiten oder ich kann mich auf 1 oder 2 Bezirke konzentrieren und in enger Kooperation mit Politik, freien und öffentlichen Trägern Räume gestalten.

Ich verurteile nichts, aber interessant und auffallend ist – bundesweit – der enorm hohe Anteil an Trägern der erstgenannten Logik. Da hilft kein Schimpfen über die „trägen“ Jugendämter – gefragt ist der Blick auch auf den eigenen Laden: Es ist eine souveräne Unternehmensentscheidung, ob ich als fallbearbeitende Maschine oder als sozialraumgestaltende Organisation wirke.

Enthält der Film Anstöße für freie Träger?

Das darf jeder für sich entscheiden. Mir ist wichtig, dass die wesentlichen Bausteine der Sozialraumorientierung durch Wolfgang Hinte nochmal formuliert worden sind, wenngleich die Gefahr mitschwingt, dass ein Chor erklingt „Das wissen wir doch schon alles!“

Der Film wurde seit Dezember 2014 dankbar auf politischer Ebene angenommen. Wenn er als Argumentationshilfe für reformwillige Regionen und Städte dient, hat er seinen Zweck erfüllt. Gleichwohl ist der Film auch Basismaterial für Sozialarbeiter_innen, Psycholog_innen und Erzieher_innen in Kitas, Schulen und weiteren Einrichtungen.

Sollte dann doch auch jemand von denen, die „alles wissen“ heimlich auf den Film „klicken“, könnte das durchaus ein paar inspirierende Momente hervorrufen, inklusive 30 Minuten Auszeit von Paragrafen und Euros. Das ist nicht wenig!

 

Uwe Lamm ist Geschäftsführer der contact - Jugendhilfe und Bildung gGmbH.


Einige Exemplare der DVD gibt es noch kostenfrei über die Geschäftsstelle der contact - Jugendhilfe und Bildung gGmbH zu beziehen. Quelle des Videos.

 

 

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