Vorsicht vor Nazis im Netz! Aufklärung schafft auch das Projekt „no-nazi.net“ der Amadeu Antonio Stiftung. Foto: no-nazi.net

Michail Siebenmorgen
Michail Siebenmorgen
Donnerstag, 14. November 2013
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Michail Siebenmorgen

Vorsicht vor Nazis im Netz!

Rechtsextremes Gedankengut in sozialen Onlinenetzwerken möchte niemand haben. Man will nicht einmal darüber nachdenken. Und überhaupt, was sollen denn diese rückwärtsgewandten Ideologien in unserem modernen Internet? Aber genau dort, im Internet, lässt sich die rechte Propaganda sehr effektiv verbreiten, da mit wenig Aufwand und wenig personellem Einsatz viele Menschen erreicht werden können. Und das oft, ohne dass wir es merken.

Versteckt auf Satireseiten bei Facebook oder unter Aufrufen gegen Kriminalität und Kinderschänder, finden sich rechtsgerichtete Organisationen oder Einzelpersonen, die das rechte Gedankengut unter die Leute bringen wollen. Bei Facebook und anderen sozialen Netzwerken kann es sehr schnell passieren, dass man selbst unbewusst bei der Verbreitung mitwirkt. Da wird mal ein Cartoon mit völlig unpolitischem aber witzigen Inhalt geteilt, aber niemand achtet darauf, von welcher Ursprungsseite der Cartoon kommt. Ein Aufruf gegen sexuellen Missbrauch von Kindern – wer stimmt dem nicht zu? – wird weitergegeben, ohne darauf zu achten, wer eigentlich aufruft. Der unbedachte Klick auf den „Gefällt mir“-Button oder das Teilen von Inhalten unbekannter Herkunft kann aber schon zu viel sein, wenn man an der Ausbreitung von Rechtspopulismus nicht beteiligt sein will.

Bevor man im Internet gefundene Inhalte teilt, sollte man sich grundsätzlich über deren Herkunft informieren. Bei Facebook oder Youtube sowie in anderen sozialen Netzwerken ist das gar nicht so schwer. Neben dem Beitrag, ob Cartoon, Video oder Zeitungsartikel steht immer auch die Seite oder die Person, von der dieser Beitrag stammt. Geht man auf die jeweilige Ursprungsseite, kann man in der Inhaltsbeschreibung, auf den Fotos oder Videos meist ziemlich schnell erkennen, worum es sich eigentlich handelt. Folgt man der Herkunft eines Cartoons oder eines sarkastisch-witzigen Spruchs, kann man leicht auf Seiten stoßen, die sich mit diskriminierenden, rassistischen und menschenfeindlichen Inhalten hervortuen. Sieht man auf den Ursprung eines Aufrufs gegen sexuelle Gewalt gegen Kinder, entdeckt man Beiträge von rechtsextremen Parteien und Aufrufe zur Einführung der Todesstrafe.

Auch Gruppen, zu denen man auf Facebook eingeladen wird, sollte man sich genau betrachten. Welche Mitglieder nehmen hier teil? Wie sehen die Beiträge und Kommentare aus? Manchmal mischen sich rechtsgerichtete Gruppierungen oder Einzelpersonen unter die Mitglieder, um in einer bestehenden Gruppe ihre Inhalte zu posten, oder durch aggressive und persönlich beleidigende Kommentare aufzufallen. So können Gruppen, die meist auf gemeinsamen Themen, wie z.B. Sport, Schule, Musik oder Urlaubs- und Herkunftsort basieren, als Foren zur Verbreitung rechten Gedankengutes missbraucht werden.

Auch mir ist das  leider schon widerfahren, als ich in eine Gruppe meiner alten Heimatstadt eingeladen wurde und dort unter den Mitgliedern einen Ortsverband einer Rechtspartei entdeckte. Nachdem ein Hinweis darauf in dem Forum öffentlich gemacht wurde, gab es persönlich beleidigende Kommentare, aber auch Personen, die ebenfalls empört waren und die Gruppe verließen. An den Administrator der Gruppe wurde eine Mitteilung gesendet, mit der Empfehlung, der Gruppe einige Umgangsregeln voranzustellen und gegebenenfalls auch Beiträge zu löschen oder Personen und Parteien aus der Gruppe auszuschließen. Der Administrator kam diesen Empfehlungen nach und schloss die benannten Personen aus der Gruppe aus.

Bei diesen Beispielen wird klar, wie schnell man in ein Umfeld rechter Ideologien gelangen kann, ohne sich dessen sofort bewusst zu werden. Bei reflektierten besonnenen Menschen klingeln zwar schnell die Alarmglocken, wenn es plötzlich um Todesstrafe oder menschenfeindlichen Humor geht. Wie sieht es aber bei orientierungssuchenden noch unsicheren Kindern und Jugendlichen aus? Erkennen sie eine Gefahr von Rechts? Zumal die rechtsextremen Gruppierungen sich heute mit neutralen Themen wie Umwelt- und Naturschutz tarnen oder über Themen wie Freizeit und Sport ihre Ideen propagieren.

Aufklärung schafft in diesem Fall das Projekt „no-nazi.net“ der Amadeu Antonio Stiftung, das sich vor allem an die Gruppe der 13- bis 18-Jährigen wendet. Neben unterschiedlichen Veranstaltungen, die für Jugendliche und für Pädagogen als Multiplikatoren durchgeführt werden, arbeitet das Projekt auch mit Facebook und Google zusammen und engagiert sich im Online-Jugendschutz. Auf der Webseite von no-nazi.net findet man neben weiteren Links auf andere Projekte auch die Broschüre: „Liken. Teilen. Hetzen. Neonazi-Kampagnen in Sozialen Netzwerken“, die interessante Informationen zu diesen Themen bereithält. In der jugendlich frisch aufgemachten Broschüre wird über die Sprache, den Humor und die Tricks aufgeklärt, die von Rechtsextremen verwendet wird, um deren eigentliche Anliegen zu verschleiern oder zu verharmlosen. Auf jeden Fall bewirkt diese Broschüre eine größere Aufmerksamkeit, wenn man sich in sozialen Netzwerken bewegt.

Mir persönlich hat das schon sehr geholfen, und ich bin der Meinung, dass dieses Themenfeld ein wichtiger Aspekt in der Vermittlung von Medienkompetenz sein muss, um Kinder und Jugendliche zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Medien zu befähigen.

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