Michail Siebenmorgen im Gespräch mit Renate Ili Außenwerbung des Elterncafés Snacks und Kaffee gehören dazu im Café Wolkenfrei Gäste im Café im Gespräch mit Renate Ili

Michail Siebenmorgen
Michail Siebenmorgen Neukölln Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Hilfen zur Erziehung Stadtteilarbeit Qualifizierung & Fachlichkeit
Sonntag, 26. Oktober 2014
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Michail Siebenmorgen Neukölln Eltern Fachöffentlichkeit & Politik Hilfen zur Erziehung Stadtteilarbeit Qualifizierung & Fachlichkeit

Willkommen im Café Wolkenfrei

Am Anfang war die Hilfe zur Erziehung

Spätestens seit der Einführung der Sozialraumorientierung in den Berliner Jugendämtern ist die Hilfe zur Erziehung, kurz HzE, eine der letzten Maßnahmen für hilfesuchende Familien. Vorher werden alle anderen Formen der Unterstützung in Erwägung gezogen und auf vorhandene Ressourcen im Umfeld der Familie gebaut.

Hier geht es jedoch um das Elterncafé Wolkenfrei, das unter ehrenamtlicher Führung von Renate Ili aus den Erfahrungen mit einer HzE erst entstanden ist und sich seit nunmehr sechs Jahren als Treffpunkt und Unterstützung von Eltern etabliert hat. Insofern stand die HzE am Anfang eines ganz wunderbaren Projekts, welches heute – ganz unabhängig von institutionellen Hilfen – ein Anlaufpunkt und eine gewinnbringende Ressource für viele Eltern ist.

Am Anfang war das Familienprojekt Triangel des Trägers JaKuS gGmbH, eine Hilfe für ganze Familien, denen die Fremdunterbringung ihrer Kinder droht. Hier wird viel im Kreise aller Eltern in dem Projekt an ihren Einstellungen zur Erziehung und auch zur Zusammenarbeit mit Institutionen wie Schule und Jugendamt gearbeitet. Dieses Lernen innerhalb der Gruppe von Menschen, die in ähnlichen Situationen sind, war der Grundgedanke des Elterncafés Wolkenfrei.

Ich habe die Gründerin und treibende Kraft des Cafés, Renate Ili interviewt.

Hallo Renate. Schön, dass wir die Zeit gefunden haben. Ich würde dich als erstes bitten, dich einmal kurz vorzustellen.

Renate Ili: Ich bin von der Pike auf gelernte Arzthelferin und inzwischen arbeite ich als Sachbearbeiterin bei der deutschen Rentenversicherung. Ich habe zwei Kinder, die aber schon erwachsen sind. Ich bin sozial eingestellt und schätze Achtung und Wertschätzung bei Menschen.

Ich bin vor 14 Jahren in das Ehrenamt eingestiegen. Anfangs beim Projekt Triangel und dann später hier im Café. Ich habe 2005 den dreimonatigen Einführungskurs und anschließend den zweijährigen Grundkurs zur Systemischen Interaktionstherapie und Beratung gemacht.

Nach dem Grundkurs kam mir die Idee mit dem Elterncafé. Weil ich detailliert noch mal auf einer ganz anderen Ebene mitbekommen habe, wie die Dinge zusammenhängen.


Wann war das?

Das war 2008. Ich habe Frieder Moritz (Geschäftsführer von JaKuS, Anm. d. Autors) gefragt, ob das machbar ist, ob es nicht eine gute Idee wäre, den Eltern einen Raum zu geben. Und dann ging es relativ schnell. Ich habe alle Eltern angeschrieben, die aktuell und in den vorangegangenen zwei Jahren in der Triangel waren – eigentlich kennt mich ja jeder da – und dann ging es los.


Was war denn die Grundidee für das Elterncafé?

Die Grundidee war, Eltern außerhalb von Behörden einen Raum zu geben, Dinge loszuwerden, die sie bedrücken. Bezogen auf Kinder, bezogen auf Partner, bezogen auf die Wohnung. Die Gäste sollen die Möglichkeit haben, mithilfe des Erfahrungsschatzes der anderen eine eigene Lösung zu finden.


War das denn nur für die Eltern aus der Triangel gedacht?

Eigentlich war es nicht so gedacht. Es war für alle offen. Der Grundgedanke war, Eltern aus der Triangel, aber auch Freunden, Verwandten, Nachbarn und wer auch immer mitkommen wollte, oder auch einfach nur einen Kaffee trinken wollte, die Möglichkeit dazu zu bieten.


Die Gäste kommen immer wieder? Auch mal nur auf einen Kaffee?

Ja, auf einen Kaffee, oder wenn sie z.B. beim Jobcenter Wartezeiten haben. Die verbringen sie lieber hier. Die Gäste müssen aber das Gefühl haben, dass ein Raum des Vertrauens da ist. Die checken das schon ab: „Kann ich mich hier offenbaren, wenn XY hier sitzt?“ Dann besteht die Kunst darin, erst mal einfach nur eine Verbindung zwischen den Leuten zu schaffen. Ist ja bunt gemischt, das Publikum.

Ich finde das Café schon sehr anspruchsvoll, weil ich meine Aufgabe darin sehe, die Eltern in bestimmter Weise zu unterstützen. Ich spüre es, wenn jemand etwas auf dem Herzen hat. Und die anderen eigentlich auch. Die Stammgäste merken es sofort, ob es jemandem gut geht oder nicht.


Wie siehst du deine Rolle im Café?

Ich bin die Gastgeberin.


Aber du gibst auch Unterstützung in Gesprächen und vielem mehr. Welche Art der Unterstützung ist das denn? Wie kann man sich das vorstellen?

Die Unterstützung liegt darin, manchmal auch nur Kopien zu machen (lacht), wenn kein Geld da ist. Aber manchmal geht es auch darüber hinaus. Wenn zum Beispiel für jemanden die Öffnungszeit des Cafés nicht reicht, dass wir uns per Mail oder Telefon austauschen oder sogar treffen. Das passiert auch. Zum Beispiel ist vor kurzem die Mutter einer Besucherin gestorben und es ging ihr sehr schlecht. Mit ihr habe ich mich dann außerhalb des Cafés getroffen. Oder manchmal auch etwas vermitteln. Vor zwei Jahren ist eine Mutter nach Thüringen gegangen. Die hat kein Geld für den Umzug bekommen. Da haben wir vieles gemeinsam organisiert, einen Kochtopf, eine Bettdecke, so etwas.

Worauf ich wirklich achte: Dass ich den Eltern nichts abnehme. Manchmal steuere ich es, dass sie es gemeinsam tun, mit den anderen Gästen zusammen. Am besten finde ich es, wenn ein Gast kommt und sagt, was ihm auf dem Herzen liegt und wenn er dann wieder geht, sagt: „Jetzt weiß ich, was ich zu tun habe.“

Wie funktioniert es, dass die Eltern von anderen Eltern lernen?

Das geht ganz beiläufig. Wenn jemand mit einem Problem kommt, wie z.B.: „Die Miete ist nicht überwiesen worden vom Jobcenter. Ich weiß nicht mehr weiter.“ Und es ist jemand anderes da, dann hilft der. In der Regel kennen die Gäste sich da aus. Sie sagen dann: „Dies und das müsstest du tun...“ Da muss ich mich gar nicht einmischen. Und wenn da nichts kommt, dann verbinde ich die Leute miteinander. Ich spreche jemand anderen an und frage, ob er sich da nicht auskennt. Wie gesagt, ganz beiläufig. Und das ist das Gute. Das passiert ohne Druck. Keiner hebt den Zeigefinger und sagt: „Du, du, du!“ 


Was sind die Vorteile für Eltern, die kommen?

Sie bekommen hier Kontakt. Viele Eltern sind sehr isoliert. Es kommen z. B. drei Mütter, deren Kinder untergebracht sind, die sonst nirgendwo einen Andockpunkt haben. Die werden hier voll akzeptiert von allen. Da kommen keine Vorhaltungen wie: „Oh, du bist deine Kinder los!“ – Gar nichts. Ganz im Gegenteil. Die fragen eher: „Hast du Auflagen bekommen? Was sollst du denn machen?“ Komischerweise kennen sich alle da aus. Die fragen dann genau nach. Ich muss da gar nichts tun.  So etwas zeigt ja eigentlich auch, dass die Gäste  sich wohlfühlen. Sonst würden die das ja gar nicht machen.


Was wünscht du dir weiterhin für das Elterncafé?

Weiterhin Gäste natürlich! (lacht) Vielleicht wäre ein Highlight gut. Dass man alle acht oder zwölf Wochen einen Thementag macht. Zum Beispiel Pubertät oder so.


Eine Informationsveranstaltung?

Ja, so was in der Art. Eine kurze Info und dann einen offenen Austausch. So dass sich die Eltern daran beteiligen können.


Das ist eine schöne Idee. Ich wünsche dir für das Café alles Gute und danke für das Interview.

Gerne. 

Das Elterncafé Wolkenfrei ist in der Altenbraker Straße 24 in Berlin Neukölln und ist jeden Freitag von 10.00 Uhr bis 15.00 Uhr geöffnet. Mehr Informationen unter: jakus.org/index.php/elterncafe-wolkenfrei.html

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