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Ina Stanulla
Ina Stanulla Qualifizierung & Fachlichkeit Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag Wirkungsorientierung in der Praxis
Mittwoch, 15. Februar 2017
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Ina Stanulla Qualifizierung & Fachlichkeit Fachöffentlichkeit & Politik Top-Beitrag Wirkungsorientierung in der Praxis

Wirkungsorientierung in der Praxis

Erfahrungen der Lebenswelt gGmbH im Kooperationsprojekt des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin e.V. mit der PHINEO gAG

1) Warum beteiligen Sie sich an dem Projekt?

LebensWelt ist seit der Gründung des Trägers vor 17 Jahren immer an Evaluation und Selbstevaluation und somit immer auch schon an der Feststellung von Wirkungen und wirkungsorientierter Steuerung interessiert - also lange bevor der Begriff der Wirkungsorientierung in aller Munde war. Wir haben sowohl Selbstevaluationen durchgeführt als auch eine externe Evaluation durchführen lassen, die wir aufgrund einer Projektförderung realisieren konnten.

Im Rahmen dieser Evaluation versuchten wir, die Wirkung des interkulturellen Handelns im Rahmen der Familienhilfe zu beschreiben bzw. beschreiben zu lassen. Hierzu entstand sogar eine Veröffentlichung mit dem Titel: PerspektivenVielfalt. Eine Evaluation der interkulturellen Familienhilfe des freien Trägers LebensWelt (von 2012).

Im Rahmen des Projekts der Wirkungsorientierung in Kooperation mit dem Paritätischen und Phineo beleuchten wir unser Angebot der ehrenamtlichen, interkulturellen Familienpatenschaften. Wir sind bei dem Projekt dabei, weil wir von den Wirkungen unserer Angebote überzeugt sind und uns wünschen, dass wir diese Wirkung belegen können, daher fokussieren wir in dem Kooperationsprojekt auf die Datenerhebung und das Berichten über die Wirkung. Es geht uns als Träger grundsätzlich darum, unsere Selbstwahrnehmung weiter zu schärfen und auch die Fremdwahrnehmung deutlicher zu erspüren. Denn nur wenn wir genau wissen, wer wir sind, was wir wollen und wie man uns wahrnimmt, können wir aus unserem Methodenrepertoire erfolgreich schöpfen. Deswegen beteiligen wir uns an dem Projekt.

2) Was für Erfahrungen machen Sie bisher mit Blick auf Ihre Organisation?

Die Erfahrung im Projekt ist u.a., dass wir bereits wirkungsorientiert arbeiten; z.B. in der Entwicklung und Umsetzung von entsprechenden, bedarfsorientierten Angeboten im Einklang mit unserem Leitbild und unserer Vision. In dem Zusammenhang ist eine Selbstvergewisserung eingetreten, die im Rahmen des Diskurses über Wirkungsorientierung durchaus einen Aha-Effekt für viele Kolleg*innen besaß: Mensch, das machen wir ja alles schon so!

An den Punkten der Erhebung der Wirkung und dem Berichten über die Wirkung des Angebots der interkulturellen Familienpatenschaften bemerkten wir allerdings, dass wir dieses noch optimieren können und auch die Menschen, die in Angeboten mitwirken und mitgestalten, zu Wort kommen lassen sollten. Hieran arbeiten wir nun im Rahmen des Kooperationsprojektes mit dem Paritätischen und Phineo.

3) Was für Erfahrungen machen Sie bisher mit Blick auf die Zielgruppe(n) Ihres Angebots/Ihrer Angebote?

Die Zielgruppen unseres Angebots der interkulturellen Familienpatenschaften, d.h. die Familien und Kinder und Jugendlichen und die Pat*innen, schätzen unsere Art und Weise, wie die interkulturellen Familienpatenschaften konzeptioniert und umgesetzt werden – im gleichen Maße übrigens, wie wir von Trägerseite her schätzen, dass wir mit so tollen Menschen zusammen dieses Angebot umsetzen können. Das beruht also komplett auf Gegenseitigkeit.

Das Angebot ist deswegen so erfolgreich, weil es von allen Beteiligten mitgetragen und aktiv mitgestaltet wird. Im Rahmen des Kooperationsprojekts mit dem Paritätischen und Phineo befragten wir die „Zielgruppen“ des Angebots Interkulturelle Familienpatenschaften. Unsere These ist: Durch interkulturelle Begegnung in den Familienpatenschaften ändert sich die Lebenslage der Beteiligten. Insgesamt haben wir 12 leitfadengestützte Interviews geführt. Die Erhebungsphase ist gerade abgeschlossen und wir sind in der Auswertung. Da werden spannende Dinge benannt: Z.B. wundern sich viele Familien und Kinder, die mit den Pat*innen etwas gemeinsam machen, dass diese so lustig sind und dass so viel gelacht wird und Dinge unternommen werden, die Spaß machen. Ein befragter Junge ging z.B. fest davon aus, dass ein Pate mit ihm nur die ganze Zeit „lesen“ würde. Das heißt, dass dieses Angebot der Familienpatenschaften, das grundsätzlich bei den Familien und Kinder nahezu unbekannt war, eher mit sehr „ernsten“ Inhalten und ebensolchen Personen verknüpft war.

4) Was erwarten Sie für Ihre zukünftige Arbeit?

Auf jeden Fall noch mehr Bewusstheit in den Planungsprozessen und eine weitere Optimierung unserer Wirkungsziele – gerade in Hinsicht auf die vielfältigen Projekte, die wir durchführen oder bei denen wir überlegen, ob wir sie angehen. Der Maßstab bleibt dabei immer, ob es uns gelungen ist, dabei mitzu“wirken“, die Menschen – und damit die Gesellschaft – zusammenzuhalten, sie stark zu machen für die kommenden Herausforderungen, in einer Epoche des rapiden Wandels, in einer Periode nie gekannter Öffnung und Erweiterung.

Wir stehen dafür, das „gute Alte“ zu bewahren und das „neue Gute“ anzunehmen. Wirkung ist Veränderung! Und um eine Wirkung zu erzielen, müssen und werden wir veränderte Rahmenbedingungen und Ausgangslagen immer wieder reflektieren und bei der Gestaltung unserer Angebote berücksichtigen.

 

Ina Stanulla ist bei der Lebenswelt gGmBH für Projektentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

 

Zum Wirkungsorientierungsprojekt des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Berlin und PHINEO finden Sie hier einen Aufsatz.

In loser Folge werden weitere an dem Projekt beteiligte Organisationen aus der Praxis berichten.

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